Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Stakeholder aus Sicht der REMEI AG

Erfolg bedeutet für REMEI, den Ausgleich der verschiedenen Stakeholder-Interessen zu schaffen. Soziale und ökologische Aspekte in die Prozesskette, von den Baumwoll-Farmern bis hin zu den KonsumentInnen zu integrieren, führt manchmal auch zu ökonomischen Konflikten. Trotzdem wird die Grundidee der Nachhaltigkeit weiter getragen. Speziell in Zeiten, wie der aktuellen Wirtschaftskrise. Damit setzt sich REMEI Grenzen in der Gewinnmaximierung im Rahmen der Legitimierung gegenüber ihren Stakeholdern.

Konfliktpotential
Neben den ökonomischen Konflikten, gibt es jedoch auch Konflikte im Anbau von Bio-Baumwolle. Vor allem Monsanto ist in Indien sehr stark mit gentechnisch veränderter Baumwolle vertreten und setzt aggressive Geschäftstaktiken ein (massive Werbung, Direktvertrieb, Aufkaufen von natürlichem Saatgut, um eine künstliche Verknappung zu erzielen), um diese abzusetzen. Viele Bauern lassen sich von Versprechungen, ihren Ertrag mittels Gentechnik steigern zu können, blenden und wenden sich vom Bio-Anbau ab. Zudem ist es inzwischen für die Bauern einfacher geworden, gentechnisch verändertes Saatgut zu kaufen, als natürliches. Dieses Verfügbarkeitsthema hat dazu geführt, dass REMEI seit 2004 jährlich 15 % der Bio-Bauern verloren hat. Mittlerweise ist lt. Patrick Hohmann 85 % der indischen Baumwolle aus gentechnisch verändertem Saatgut hergestellt. Dadurch hat REMEI die letzten Jahre zum einen die Kontrollen verschärfen und zum anderen viele Bauern aus dem Lieferantennetzwerk für REMEI ausschließen müssen.

REMEI Stakeholder
Generell betrachtet REMEI die direkten Kunden (B2B Kunden), die Lieferanten, die Bauern, die MitarbeiterInnen, die Aktionäre, diverse wissenschaftlich- und forschungsorientierte Institute (zur Lifecycle Analyse und Ökobilanz Erstellung), zukünftige Generationen und diverse NGOs (CCC bzw. Erklärung von Bern, Ekta Parishad, Helvetas, FLO-CERT, Swissaid und Intercorporate) sowie die breite Öffentlichkeit, die Regierung, die Medien und Mitbewerber als relevante Stakeholder. Künftig sollen auch die EndverbraucherInnen, d. h. die indirekten KundInnen, als relevante Stakeholder erachtet werden. Die Kommunikation mit diesen und die Marktforschung diesbezüglich sollen dabei verstärkt werden.

Einschätzung des Nachhaltigkeits-Engagement von Mitbewerbern
Direkte Mitbewerber, mit der gleichen Unternehmensstruktur, konnten lt. Patrick Hohmann bis dato nicht identifiziert werden. Das Engagement von großen Unternehmen der T&B-Branche in Sachen Nachhaltigkeit wie Nike & Co beurteilt Hohmann etwas skeptisch. Auch wenn ehrliches Engagement in der Branche in Richtung Nachhaltigkeit generell begrüßt werde. Wenn immer mehr Firmen darauf achten mit ihrem Business Wohlstand zu verbreiten und die Umwelt zu schonen, sei das schließlich auch ein Zeichen dafür, dass der Markt das auch will. Es werde jedoch von vielen noch zu unkonkret diesbezüglich kommuniziert, was beispielsweise die Glaubwürdigkeit der Bio-Baumwolle Projekte trübt. Waren doch H&M, Tchibo etc. 2009/2010 in einen großen Bio-Baumwolle Skandal in Indien verwickelt. Aus Sicht von Patrick Hohmann sind die Großen zu wenig transparent. REMEI würde auf der einen Seite gerne an derartig große Unternehmen Baumwolle oder Garne verkaufen, der Haken dabei sei jedoch, dass man nicht wisse, wie sie sich damit darstellen. Sollte wieder mal ein Skandal aufgedeckt werden, könnte diese Imageschädigung auch auf REMEI abfärben, das wäre ein zu großes Risiko. Die mangelnde Glaubwürdigkeit der Großen kann lt. Patrick Hohmann auch dazu führen, dass die KonsumentInnen mit der Zeit Bio-Baumwolle als Werbe-Gag abtun und auch Anbieter, die ihre Wertschöpfungskette im Griff haben, nicht mehr ernst nehmen.

Allerdings gibt es auch sehr glaubwürdige Aktivitäten von Unternehmen in der Branche. „Darum heißt es am Ball bleiben, innovativ sein, der Erste mit guten Ideen am Markt zu sein, damit man gegenüber den öko-sozial verträglichen Mitbewerbern ausreichend Differenzierungsmerkmale vorweisen kann“, so Patrick Hohmann betreffend Wettbewerbssituation.

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Veröffentlicht in Umsetzung des Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung durch das Nachhaltigkeits-Marketing

Mit Kommunikation Vorurteile abbauen

Nachhaltigkeit wird von vielen VerbraucherInnen mit Verzicht gleichgesetzt. Die erfolgreiche Nachhaltigkeits-Kommunikation muss diese negative Assoziation überwinden (vgl. Schulz u.a. 2008, S. 40). Vor allem in Hinblick auf die Beschreibungen der LOHAS, weisen viele Studien auf die Vorliebe für Genuss, der kein schlechtes Gewissen (Selbstachtungsnutzen, eigene Werte bei Kaufentscheidungen berücksichtigen) verursacht, hin. Derartigen Vorurteilen des Verzichts kann beispielsweise mit der Kommunikation eines genussvollen Lebensstils der Nachhaltigkeit begegnet werden.

Speziell Unternehmen mit öko-sozial verträglichen Textilien und Mode im Sortiment haben mit einigen Imageproblemen zu kämpfen. Zum einen werden diese Art von Textilien (insbesondere den Öko-Textilien) mit positiven Eigenschaften wie „ohne Chemie“, „natürlich“, „gesund“ und „hautverträglich“ assoziiert. Zum anderen sind derartige Produkte auch mit Vorurteilen, wie ästhetische Defizite in Form und Farbe sowie Convenience Nachteilen, wie rauhe und unbequeme Stoffe behaftet.

Speziell jüngere Frauen unter 30 haben ein eher negatives Bild von „Öko-Klamotten“. Besonders empfänglich für öko-sozial verträgliche Textilien sind schwangere Frauen und Frauen mit Babies bzw. Kleinkindern (vgl. Mert/Klade/Seebacher, S. 43). Das Wissen um derartige Vorurteile kann die Kommunikation wesentlich beeinflussen. So können Positiv-Botschaften, die auf diese Vorurteile direkt oder indirekt Bezug nehmen, ein probates Gegenmittel darstellen.

Veröffentlicht in Relevanz von Nachhaltigkeit im T&B-Sektor

Chemie- und Ressourceneinsatz in der Herstellung von synthetischen Fasern

Kunststoff erblickte 1907 als Bakelit, benannt nach Forscher Leo Baekeland, nach vielen Versuchen das Licht der Welt. Jahrzentelang gab es Bestrebungen Phenol (aus Kohle gewonnen) und Formaldehyd (aus Holz gewonnen) zu vereinen. Leo Baekeland versuchte diese Vereinigung, nicht wie alle anderen Chemiker zuvor, mit Säuren, sondern mit Laugen und arbeitete mit höheren Temperaturen, als seine Vorgänger. Elektroingenieure schenkten der neuen Entdeckung sogleich Beachtung und verwendeten den Kunststoff für Gehäuse von elektrischen Geräten, wie dem Radio und Telefon. Darauf folgte Geschirr aus Kunststoff (Urea Formaldehyd), auch die Erfindung der Tupperware in den 50er Jahren, war auf Grund der seit den 40er Jahren existierenden Herstellungsverfahren für Polyethylen möglich. Nach und nach wurden Verpackungen aus Plastik eingeführt. Das Verpacken von Lebensmitteln mittels Kunststoff ermöglichte Supermarktketten nach dem Selbstbedienungsprinzip. Die Verpackungen ermöglichten ferner weniger Personal, längere Haltbarkeit, höhere Transportsicherheit für den Inhalt und jeder Hersteller hatte die Möglichkeit, über die Verpackung seinem Produkt einen Namen zu geben bzw. zu branden und sich damit von Mitbewerbern abzuheben. In den 60er Jahre erscheint die Polyethylenterephthalat-Flasche auf der Bildfläche – heute PET Flasche genannt – und die Verdrängung der Glasflaschen beginnt (vgl. Pretting/Boote 2010, S. 8-24).

Ende der 20er Jahre engagierte Du Pont den Chemiker Carothers und stellte ihm ein großes Budget für das Erforschen neuer Materialien zur Verfügung. Insbesondere das neue Forschungsgebiet der Polymerisation versprach interessante Möglichkeiten der Innovation. Carother konnte synthetischen Gummi, der später als Neopren bekannt wurde, entwickeln. Danach konzentrierte er sich weiter auf die molekularen Strukturen von Seide und versuchte diese Molekülketten nach zu bauen. Aus erstarrter Polyestermasse, die erhitzt wurde, ließen sich Fäden ziehen. Fäden, die sich nicht abreißen ließen, sondern eine enorme Dehnbarkeit aufwiesen. Das dünne, stark belastbare Material versprach vielfältige Einsatzmöglichkeiten. 1935 wurde mit einem Gemisch aus der Monomere Adipinsäure und Hexamethylendiamin erstmals Nylon hergestellt (vgl. ebd., S. 32-34).

Als Paul Schlack, Inhaber des I.G. Farben Chemieunternehmens in Deutschland, von den Aktivitäten der Amerikaner und dem Nylon erfuhr, intensivierte er die Forschung in seinem Unternehmen, um ebenfalls eine derartige Polyamidfaser erzeugen zu können. Dabei musste er einen neuen Weg finden, da Nylon durch das internationale Patentrecht geschützt war. Er schaffte die Herstellung mit einem Verfahren, aus dem sich aus der chemischen Verbindung Caprolactam, Perlon herstellen ließ (vgl. ebd.,
S. 34-35).

Nylon erschien der Öffentlichkeit 1938 auf einer Ausstellung in San Francisco. Du Pont stellte hauptsächlich eine Spritzgussmaschine, die Kämme herstellte und chemisch erzeugte Insektizide vor. Die von den Du Pont MitarbeiterInnen getragenen Nylonstrümpfe am Stand waren als beiläufige Produktpräsentation gedacht, wurden jedoch zum Überraschungshit schlechthin. – Frauen wollten die seidenähnlichen Strümpfe an Ort und Stelle erwerben und mussten enttäuscht die Geldbörse wieder einstecken, da die Strümpfe erst 6 Monate später offiziell am Markt erhältlich sein sollten. Die Strümpfe, die aus Kohle hergestellt wurden, hatten hohe Ähnlichkeit mit Seidenstrümpfen, waren jedoch deutlich haltbarer als diese. Mit der Zeit kamen jedoch negative Gerüchte über die Strümpfe in Umlauf. Spezielle Färbemittel, die in den Strümpfen enthalten sind, würden die Haut schädigen, allergische Reaktionen – ja sogar Krebs an den Beinen auslösen. Zudem behindere Nylon die Hautatmung. Trotz dieser Gerüchte, setzte sich der Siegeszug der Strümpfe fort. In den 40er Jahren wurde Nylon auch im Militär eingesetzt. Es wurde erkannt, dass Nylon mehr war, als Ersatz für japanische Seide. Die Kunstfaser fand Verwendung für die Herstellung von Fallschirmen, Schleppseilen, Schutzwesten, unverrottbaren Schuhbändern, Moskitonetzen und Dschungel-Hängematten (vgl. ebd., S.27-32). Auch in Deutschland fand Schlacks Erfindung Perlon starken Einsatz für militärische Zwecke (vgl. ebd., S.36).

Nach dem zweiten Weltkrieg kamen die „zärtlichen Strümpfe“ auch nach Westeuropa. Erst als Luxusartikel und heiß begehrte Tauschware auf dem Schwarzmarkt, dann, etwas später, ab den 50er Jahren erobern sie ganz offiziell den Massenmarkt (vgl. ebd., S.27-32). Auch Perlon und die ganzen verwandten synthetischen Fasern breiteten sich sehr schnell aus. Die Kleider der 50er Jahre sind aus Chemiefaserorganza, Nylon-Gewebe, Chemiefasersamt oder Nylonkrepp. Propagiert wurde die Pflegeleichtigkeit und vor allem zog der Preis. Die Kleidungsstücke wurden so erschwinglich, das Flickarbeiten sich kaum mehr rentierten. Bis heute ist die synthetische Faser im Vergleich zur Naturfaser günstiger zu produzieren. Die chemische Bearbeitung von Rohöl ist weniger aufwändig, als der Anbau von Baumwolle auf Plantagen oder die Wollgewinnung über das Halten von Schafherden. Auf Nylonstrümpfe und Polyesterhemden folgten Strickpullover aus Polyacryl, Lurexkleider sowie Microfaserunterwäsche (vgl. ebd.,
S. 36-37).

Problematisch bei synthetischen Fasern bzw. generell bei Kunststoff: die Auswirkungen auf den menschlichen Hormonhaushalt sind kaum erforscht. Manche Forscher sprechen davon, dass sich die Menschen, seit Verwendung des Kunststoffes allesamt ungewollt in einem Riesen-Experiment befinden. Die Forscherin Ana Soto und ihr Kollege Carlos Sonnenschein forschten Ende der 80er Jahre nach der Ursache für Brustkrebs und entdeckten, dass einige der verwendeten Plastikröhrchen im Labor, eine starke Vermehrung der Krebszellen verursachten. Seit 1989 gilt p-Nonylphenol – besser bekannt als PVC – als krebserregend. Auch Polycarbona, welches Bisphenol A enthält, stört den Hormonhaushalt. Polycarbonat wird u.a. auch für Laborflaschen und Trinkwasserkanister verwendet. (vgl. ebd., S.105). Obwohl Forscher auf die Risiken hinweisen, gilt beispielsweise Bisphenol A offiziell als sicherer Stoff. Biosphenol gehört zur Gruppe der Xenobiotika. D.s. Stoffe, die dem biologischen Stoffkreislauf eines Organismus fremd sind und das menschliche Hormonsystem (auch das von Tieren) aus dem Gleichgewicht bringen können. Zu Xenobiotika gehören auch synthetisch hergestellte Farbstoffe, Pestizide und chlorierte Lösungsmittel. Auch Phtalate (Weichmacher) gehören dazu. Insgesamt gibt es 100.000 derartiger xenobiotischer Substanzen, die sich aktuell weltweit im Einsatz befinden. Forschungsergebnisse, die eine Unbedenklichkeit dieser Substanzen bescheinigen, sind oftmals von Chemiekonzernen wie Bayer und BASF bezahlt. Unabhängige Studien, die auf die Gefährlichkeit dieser Substanzen aufmerksam machen, bleiben oft unberücksichtigt. Auch die Festlegung von Grenzwerten (u.a. auch durch den Öko-Tex[1] Standard) ist eine relative Angelegenheit, welche nie eine 100% Sicherheit für die Gesundheit bieten. Auch die Zeitschrift Öko-Test warnt schon seit 1999 vor den Gefahren der Weichmacher. Jährlich werden weltweit ca. fünf Mio. Tonnen Phthalat-Weichmacher hergestellt. Gefährlich bei den Weichmachern ist, dass sie nicht an den Kunststoff gebunden sind, sondern durch das Fett in der Haut, Schweiß oder Speichel gelöst werden können und so in den Körper gelangen. Neurobiologe Frederick vom Saal ist einer der größten Skeptiker in Zusammenhang mit Plastik: „Wir können zum jetzigen Zeitpunkt nicht behaupten, dass es irgendeine Form von sicherem Plastik gibt.“ (vgl. ebd., S.121-128).

Am 1. Juli 2007 trat die EU-Verordnung REACH (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) in Kraft. Einer großen Anzahl an Umweltschützern und Medizinern geht diese Verordnung nicht weit genug. Heute sind ca. 20 Mio. chemische Verbindungen bekannt. Ca. 100.000 befinden sich in Verwendung und gehören geprüft. Nur ist es so, dass nahezu alle der rund 100.000 Verbindungen als Altstoffe gelten, d. h. sie kamen erstmals vor 1981 zum Einsatz. Es gibt nur 3.500 Neustoffe seit 1981, worüber mehr Daten existieren, als über die Altstoffe. Auf den Punkt gebracht: Chemikalien werden wie selbstverständlich eingesetzt, obwohl zu wenig Wissen über deren Auswirkungen existiert.

REACH setzt auf die Eigenverantwortung der Industrie. Für chemische Stoffe müssen nun Daten geliefert werden, ansonsten dürfen sie nicht in Umlauf gebracht werden. Alle Unternehmen, die in der EU Chemikalien verwenden, herstellen, damit handeln oder sie einführen, müssen in Form  von Sicherheitsdatenblättern darlegen, ob und in welchem Ausmaß die Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse die Gesundheit der WeiterverarbeiterInnen und EndverbraucherInnen, oder die Umwelt belasten können. Ab 1. Juli 2018 soll es möglich sein, diese Daten an alle Abnehmer und nachgeschalteten Anwender in der gesamten Lieferkette weiter zu geben. Kritisch zu betrachten ist die Regelung, da dies nur für Unternehmen gilt, die mehr als eine Tonne der betreffenden Chemikalie pro Jahr produziert oder importiert. Außerdem erfolgt die Risikoabschätzung sehr langsam. In den letzten 10 Jahren wurde eine Gefahrenanalyse für 11 Substanzen durchgeführt. Greenpeace forderte eine Überprüfung aller 100.000 Wirkstoffe bis 2018. Festgelegt wurden, auch dank der agressiven Chemielobby, die Überprüfung von 30.000 Chemikalien. Auf Druck der Industrie (Bagatellisierung, drohender Arbeitsplatzverlust, Deindustrialisierung Europas – REACH würde allein in Deutschland 2,35 Mio. Arbeitsplätze vernichten, usw.) wurden bei 10.000 davon die Testanforderungen beträchtlich gesenkt (vgl. ebd., S. 170-174).

Ebenfalls bedenklich: Mit der Kunststoffära begann auch die Einwegverpackungsära. War es zuvor für die Menschen selbstverständlich, die Dinge mehr als einmal zu verwenden, wurden die KonsumentInnen nach und nach von der Entbehrlichkeit des Materials durch die Industrie „überzeugt“. Nach wenigen Jahren stellte der Plastikmüllberg bereits ein großes Problem dar und bereits in den 60er Jahren machten Umweltschützer auf die schwer abbaubare Plastikflut aufmerksam (vgl. ebd., S. 8-24).


[1] Der Standard Öko-Tex 100 kennzeichnet für den Verbraucher ungiftige Textilien. (vgl. Busse 2006, S. 37). Das Siegel wurde 1992 von der Internationalen Öko-Tex Gemeinschaft und unabhängigen Prüfinstituten ins Leben gerufen. Die Überprüfung beinhaltet Grenzwerte schädlicher Stoffe im Endprodukt. Die ökologischen und sozialen Bedingungen in der Herstellungskette werden von diesem Siegeln nicht berücksichtigt. Getestet wird auf den PH-Wert, Formaldehyd, abbaubare Schwermetalle, Arseik, Blei, Kadmium, Chrom, Kobalt, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Pestizide, Pentachlorphenol, Farbstoffe (krebserregende, allergieauslösende) (vgl. Switcher 2010a). Der neue Standard Öko-Tex 1000 kann für eine umweltverträgliche Produktion beantragt werden. Lt. Greenpeace enthält dieser Standard jedoch noch zu viele Lücken und suggeriert Bio-Baumwolle und Naturfarben, was nicht der Wahrheit entspricht (vgl. Busse 2006, S. 37).

Veröffentlicht in Relevanz von Nachhaltigkeit im T&B-Sektor

Nachhaltigkeits-Boom in der T&B-Industrie

Die Differenzierungsmöglichkeiten durch auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Strategien, haben bereits zahlreiche Unternehmen in der T&B-Industrie erkannt. Der Markt für „saubere“ Mode wächst: Lt. Buchautorin und Bloggerin für öko-sozial nachhaltige Mode, Kirsten Brodde, gibt es inzwischen 450 Labels, die erkannt haben, dass Kleidermachen auch anders geht. Die meisten kommen aktuell aus Großbritannien, den USA, aber auch aus Deutschland (vgl. Amann 2009).

Die größtenteils schlechten Arbeitsbedingungen in der T&B-Industrie sind zum Teil auf normativ akzeptierte und institutionalisierte Praktiken rückzuschließen. Die Entscheidungskriterien „niedrige Preise“ und „niedrige Produktions­kosten“ von KonsumentInnen und Markenherstellern sind in ihrem Kern nicht unmoralisch, die damit herbeigeführten Nebenerscheinungen jedoch sehr (vgl. Wieland 2008, S. 80). T-Shirts um 5 EUR, Jeans ab 25 EUR … derartige Preise machen es den KonsumentInnen leicht, sich von der Klamotte zu trennen, sobald die neue Kollektion da ist. Dumping-Preise und schnell wechselnde Sortimente zeichnen Großhandelsriesen wie H&M, C&A, Pimkie und Co aus. Mehr als eine Billion Dollar geben Menschen weltweit in einem Jahr durchschnittlich für Kleidung aus. Ein Drittel des Umsatzes wird in West-Europa geshoppt, ein weiteres Drittel in Nord-Amerika und ein Viertel in Asien (der Rest verteilt sich auf die übrigen Regionen der Welt) (vgl. Pientka 2007).

Der weltweite Umsatz mit Biotextilien pro Jahr hat sich seit 2006 vervierfacht. Im Jahr 2009 wurde er auf 4 Mrd. Dollar geschätzt. Die Produktion von Bio-Baumwolle ist dabei innert 4 Jahren von 20.000 auf 178.000 Tonnen gestiegen, liegt aber dennoch immer noch unter 1 % am Baumwolle-Weltmarkt. Begründet liegt die Steigerung vor allem in den Bio-Baumwolle Einkäufen von Textilketten-Riesen wie Walmart, Nike, Woolworth, Coop Schweiz, C&A, H&M etc. (vgl. Steinbach 2010, vgl. Brodde/Grund 2008). Wobei Bio nicht unbedingt Fairtrade bedeutet und der Bio-Baumwolle Anteil pro Textil teilweise sehr gering ist (ca. 20 %). Dennoch zeigt diese Entwicklung, eine gewisse Attraktivität des Marktes für öko-sozial verträgliche Textilien auf.