Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Operatives Nachhaltigkeits-Marketing bei der Göttin des Glücks

Die leicht hohe Preispositionierung wird von einer qualitativ hochwertigen Kollektion unterstützt, die bei den KundInnen vor allem durch das Design punktet. Die Kommunikation ist nicht zuletzt wegen mangelndem Budget sehr kreativ. Das Instrument Kooperation wird sowohl in der Produktpolitik, als auch in der Kommunikation und Distribution sehr stark eingesetzt.

Produktpolitik

Im GDG Sortiment befinden sich in der Sommerkollektion 2010 28 Modelle in jeweils 2-3 Farben, d.s. ca. 7.500 Teile und in der Winterkollektion 2010 37 Modelle in jeweils 2-3 Farben, d.s. ca. 11.500 sportlich elegante Stücke, die zu vielen Anlässen tragbar sind, inklusive Unter- und Nachtwäsche für Damen und Herren. Im Damenbereich bietet die GDG auch Übergrößen (Größe 44-50) an. Die Mode zeichnet sich besonders durch Buntheit und humorvolle Botschaften in Deutsch und in Englisch aus (zB „Die Göttin des Glücks kommt nur dann, wenn sie Lust dazu hat“, „Freude knallt“, „life is just a bowl of cherries“, „all things come to those who wait“).

Naturfarbstoffe kommen bei GDG durch die Dominanz von knalligen Farben nicht zum Einsatz, da mit Naturfarben lt. Lisa Muhr derzeit hauptsächlich Pastellfarbtöne erzielt werden können. Die Farbstoffe sind jedoch gemäß GOTS frei Formaldehyd und toxischen Schwermetallen. Weiters ist in den Kleidungsstücken 5-10 % Elasthan enthalten, damit das Kleidungsstück die Form behält und elastisch bleibt, dies wird vor allem von einigen Kritikern bemängelt – GDG steht jedoch dazu und gibt diesbezüglich der Funktionalität den Vortritt (wie alle Unternehmen in der Studie).

Fast Fashion ist für GDG als nachhaltiges Label nicht vertretbar. Möglichst viele Kollektionen auf den Markt zu bringen, um den Konsum zu erhöhen würde, lt. Lisa Muhr, dem Konzept der Nachhaltigkeit widersprechen.

Die Kette der Produktionspartner im EZA Netzwerk ist überschaubar und gewährleistet hohe soziale und ökologische Standards. Zudem verkürzt die geographische Nähe der Zulieferer zueinander die Transportwege und verhindert somit unnötigen CO2-Ausstoß. Am Anfang steht Agrocel India, ein Verbund von Kleinbauern, die Bio-Baumwolle im Fair-Trade System produzieren, gefolgt von Ramkrishna Spinning Mill in Tamil Nadu (Indien), welche die Baumwolle zu Garn verspinnen, RT Knits auf Mauritius, die das Garn verstricken und verweben und Craft Aid auf Mauritius, wo gefärbt, bedruckt, geschnitten, genäht, gebügelt, zusammengelegt, verpackt und nach Europa versendet wird.

Soziales

Der Anbau und die Konfektion sind die manuell intensivsten Tätigkeiten in der textilen Kette – vor allem in diesen Phasen der Wertschöpfung werden in der T&B-Industrie Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen begangen.

Im Fairtrade System wird im Bio-Anbau von Baumwolle ein dauerhaft garantierter Festpreis gezahlt, der über dem (durch Börsenspekulationen) stark schwankenden Weltmarktpreis liegt. Zusätzlich wird eine Fairtrade Prämie gewährt. Diese wird für die Anschaffung von Maschinen, die Errichtung von Schulen, medizinische Versorgung etc. investiert. Die Entscheidung, was mit diesem Geld passiert, liegt bei den Menschen selbst. Zudem heißt Fairtrade langfristige Lieferverträge. Die Partnerschaft ist langfristig ausgelegt und bietet so die nötige Sicherheit und den nötigen Anreiz, um den Mehraufwand im Bio-Anbau zu wagen. Fairtrade ermöglicht lt. Lisa Muhr den Bauern und ihren Familien, ein menschenwürdiges, wenn auch einfaches Leben führen zu können, bei dem medizinische Versorgung leistbar ist, die Kinder in die Schule gehen und das Einkommen zum Lebensunterhalt ausreicht.

Speziell beim Zulieferer Craft Aid (Mitglied der International Fair Trade Association) mit 180 MitarbeiterInnen, sind fixe Arbeitszeiten (von 8:00 bis 17:00 Uhr) mit 3 Pausen täglich vorgesehen. Überstunden werden in der Regel keine erbracht (in den wenigen Ausnahmefällen wird Zeitausgleich oder Bezahlung geboten) und der Lohn (Monatslohn, kein Akkordlohn) ist 1,5 mal höher, als sonst auf Mauritius in der Branche üblich. Die ArbeiterInnen haben ein Anrecht auf Urlaub (2 Wochen, plus Feiertage und Betriebsferien von Weihnachten bis Ende des Jahres), Krankenstand und freie Meinungsäußerung (auch mit Hilfe eines Beschwerdebriefkastens). Kostenlose Arztbesuche werden durch einmal monatliche Sprechstunden direkt in der Fabrik ermöglicht. Mittels Werksverkehrsbussen werden die ArbeiterInnen von zuhause abgeholt und wieder retour gefahren (die pünktlichen Bring- und Holzeiten lassen erst gar keine Überstunden zu). Die Ansparungsmöglichkeit auf ein Banksparbuch für die spätere Pension wird den ArbeiterInnen ebenfalls angeboten.

Zeitgerechte Vorankündigung neuer Aufträge und regelmäßigen Bestellungen von Seiten der GDG, ermöglichen eine vernünftige Produktionsplanung und tragen dazu bei, die Auslastung der ArbeiterInnen konstant zu halten.

Die GOTS Zertifizierung gewährleistet auch in allen Weiterverarbeitungsbetrieben, dass die sozialen Mindeststandards der ILO ein-gehalten werden

Verpackung

Die Verpackung der Produkte ab Fabrik erfolgt einzeln in PVC-freien Folien. Für den Transport nach Übersee werden Papierkartons verwendet. In den Boutiquen werden die GDG Produkte in Papiertaschen an die Endkunden ausgegeben.

Kommunikation

Von Werbeagenturen durchgestylte Kommunikation stößt nicht nur aus Budgetgründen bei GDG auf Ablehnung. Fokussiert wird sehr stark auf Öffentlichkeitsarbeit. Es werden regelmäßig aktuelle Themen (zB die Auszeichnung von Craft Aid mit dem GOTS Siegel, der Gewinn des TRIGOS Award – Österreichs Auszeichnung für Unternehmen mit Verantwortung etc.) in Form von Presseaussendungen an die Medienvertreter und Szene-Blogger verteilt und auf der eigenen Website, der eigenen Gruppe auf Facebook sowie auf Twitter vermeldet. Generell wird eine sehr offene und transparente Kommunikationskultur gepflegt. Gute Erreichbarkeit und eine Antwortgarantie für Interessierte an der GDG, egal ob KundInnen, Journalisten, StudentInnen etc.

GDG entwickelt in Sachen Produktpräsentation auch ausgefallene Konzepte. GDG ist auf herkömmlichen und öko-fairen Modemessen (zB Wear Fair in Linz, BLICKFANG – internationale Designmesse für Möbel, Mode und Schmuck in Wien) und Fashion Shows (zB Berlin Fashion Week, Ethical Fashion Show Paris uvm.) genauso vertreten, wie mit kreativen Modeschauen auf dem Badeschiff des Donaukanals in Wien – auf welchem die Sommerkollektion 2008 mit Hilfe von Synchronschwimmerinnen im Rahmen eines Poolhappenings im und außerhalb des Wassers präsentiert wurde oder die Präsentation der Winterkollektion 2008, mit Hilfe der besten österreichischen Eiskunstläuferinnen, in Form einer eigens dafür einstudierten Choreographie auf dem Wiener Eislaufplatz. Derartige Happenings ziehen großes Medieninteresse auf sich – auch im österreichischen Fernsehsender PULS 4 wurde darüber berichtet.

In den Botschaften nach Außen steht das Design im Vordergrund, die ökologischen und sozialen Aspekte schwingen jedoch mit. Es wird mit dem Fairtrade und GOTS Label gearbeitet – welche eine detaillierte Erläuterung von Bio und Fair meist erübrigen. Betont wird der Individualnutzen in Form von Qualität, Schadstofffreiheit, Allergiker-Eignung, Freude, Glück und positives Lebensgefühl.

Gearbeitet wird mit bunten Farben und Fotos, in denen das Produkt am Model im Vordergrund steht. Die Produkte werden immer in Kombination mit Models gezeigt – das betont die Emotionalität. Fotos der Events, Presseberichte, Videobeiträge über die GDG werden auf der Website, Facebook und Youtube zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit EZA Fairer Handel, den Weltläden und den Produktionspartnern wurden Videos über die Produktion in Indien und Mauritius erstellt – welche von GDG und EZA für Kommunikationszwecke verwendet werden. Generell werden Bilder von der Produktion – insbesondere vom Anbau der Baumwolle und der Konfektionierung bei öffentlichen Präsentationen und Presseaussendungen mit eingebaut.

Für die Bewusstseinsbildung werden zahlreiche Referententätigkeiten (zB an der WU Wien, in der Lehrveranstaltung „Unternehmensethik“, Vortrag & Fallbeispielbeschreibung für die Industriellenvereinigung zum Thema „Sustainable Entre­preneurship), Beratertätigkeiten für das Plenum „Pioneer of Change“ – Mutmacher für nachhaltige Jungunternehmer, ange­nommen.

Die GDG spricht sich offiziell auch für eine Gesetzesänderung in Richtung konkrete Kennzeichnungspflicht und Grenzwerte für den Textilimport in Österreich bzw. Europa aus und unterstützt Bestrebungen in diese Richtung.

Mehrkanalvertrieb Distribution

Aktuell befindet sich die GDG aktiv im Vertriebsausbau. Distribuiert wird von GDG im Mehrkanalsystem. Die Marke wird über fünf Webshops (einer davon auf der eigenen Website und zwei davon in den USA), mittels drei eigenen Boutiquen in Wien und zahlreichen Fremd-Boutiquen vertrieben. Neben Boutiquen, die rein öko-sozial verträgliche Kleidung verkaufen, werden auch herkömmliche für den Verkauf genutzt. Insgesamt sind die Produkte in 13 Boutiquen in Österreich, in acht Boutiquen in Deutschland, zwei Boutiquen in der Schweiz und in einer Boutique in Frankreich erhältlich. Zusätzlich ist die GDG in 36 Weltläden in ganz Österreich vertreten und generiert 50 % ihres Umsatzes über diesen Vertriebskanal (ein Synergie-Effekt, den die Zusammenarbeit mit EZA Fairer Handel mit sich gebracht hat).

Das Pop-Up Shopkonzept (pop-up = schnell auftauchen, Trend aus den USA und UK, bei dem kurzfristig eine Verkaufsfläche auf- und wieder abgebaut wird) wird von GDG ebenfalls aktiv betrieben. Dieses Konzept eignet sich lt. Lisa Muhr vor allem zum Testen der Verkaufsgebiete. Bis dato entstanden die fixen Läden nach einer Austestung mittel Pop-Up Konzept. Die nächsten Testregionen befinden sich in Salzburg, Graz und Baden. Die Chancen stehen gut, auch hier fixe Läden zu implementieren. Ein Franchise-Konzept zur Erhöhung des Distributionsgrades ist aktuell ebenfalls angedacht.

Kooperation

Kooperation und Vernetzung ist lt. Lisa Muhr ein ganz wesentlicher Bestandteil für GDG, da gemeinsam mehr bewegt werden kann. Die wohl intensivste Kooperation findet mit der EZA Fairer Handel in Salzburg statt. Die Auswirkungen dieser Zusammenarbeit hat vor allem dem Unternehmen Craft Aid zu einer starken Weiterentwicklung verholfen. So hat das Unternehmen vor der Zusammenarbeit mit GDG nur T-Shirts produziert, zB für die Caritas in der Schweiz. Durch die Partnerschaft mit GDG können die MitarbeiterInnen von Craft Aid nun auch ganze Kollektionen herstellen. Die GDG MitarbeiterInnen war persönlich vor Ort und haben dieses Know-How gemeinsam mit Craft Aid erarbeitet. Craft Aid konnte mit GDG wachsen und ist nun auch im Stande komplexe Aufträge von anderen Auftraggebern anzunehmen. Im Jahr 2009 wurde sogar der Umzug auf ein größeres Firmengelände notwendig. Eine moderne Stofffehlererkennungsmaschine und ein neues Schnittgradierungsprogramm konnten angeschafft werden. Ferner kann ein 15 %-ige MitarbeiterInnen-Zuwachs seit Start der Kooperation verzeichnet werden. Ein eigener Betriebskindergarten wurde gegründet und seit 2010 ist Craft Aid nun auch offiziell als sozial- und umweltverträgliches Unternehmen, durch das GOTS Siegel bestätigt.

Neben der Kooperation mit der EZA, besteht auch Interaktion mit anderen Organisationen. Die Sozialinstitution „Wiener Tafel“ erhält beispielsweise alle, im Zuge von Vortragstätigkeiten lukrierten Gelder. Ferner wird im Sinne der Sensibilisierung auch mit zahlreichen NGOs sowie Umwelt- und Sozialiorganisationen wie Südwind (Träger der CCC), Unicef, Greenpeace, Global 2000, Umweltberatung Wien und Umweltberatung Niederösterreich interagiert. 2008 wurde beispielsweise das Kampagnen-T-Shirt der CCC von GDG entworfen.

Neuerdings gibt es auch die Kooperation mit einer Designerin in Wien, die in Anlehnung an das GDG Konzept auch Sektgläser und Geschirr entwirft, welche(s) demnächst am Markt angeboten wird.

Veröffentlicht in Umsetzung des Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung durch das Nachhaltigkeits-Marketing

Fast Fashion versus Slow Fashion

Der Begriff Fast Fashion etablierte sich in den letzten 10 Jahren. Das Konzept ist nicht neu. Die Wurzeln der Fast Fashion reichen zurück bis in die späten 70er Jahre, als Quick Response Techniken für die Optimierung des Supply Chain Mangements implementiert wurden. Die Beschaffungszeiten bzw. Durchlaufzeiten wurden massiv verkürzt und führten zu enormen Kosten­einsparungen. Verstärkt wurden die Quick-Response Programme durch die stetig verbesserte Informationstechnologie. Die Daten konnten schneller verarbeitet werden und die Reaktionszeiten auf Marktveränderungen wurden dadurch verkürzt. Das Konzept des Quick Response diente in weiterer Folge als Basis für das Fast Fashion Geschäftsmodell.

Für den Handel und die großen Handelsketten erzeugt das Fast Fashion Geschäftsmodell ein Economy by Scale und führt zu höheren Umsätzen. Wurde früher alle 12-13 Wochen eine Kollektion verkauft (ca. 4 pro Jahr), so werden heute Kollektionen in einem Abstand von 6 Wochen auf den Markt gebracht. Das bedeutet einen Warenumschlag von 8-9 Mal pro Jahr. Mit diesem Geschäftsmodell locken Händler regelmäßig ihre Kunden ins Geschäft und verkaufen mehr. Vor allem junge, weibliche Kunden im Alter von 16-24 Jahren tendieren zum Fast Fashion Kauf. Fast Fashion ist immer auf dem aktuellsten Modestand und meist zu erschwinglichen Preisen erhältlich. Dafür ist diese auch nicht von hoher Qualität, denn diese Art von Mode ist nicht für eine längere Haltbarkeit konzipiert. Die modebewusste Verbraucherin, die Shoppen als eine Freizeitbeschäftigung betrachtet, soll schließlich nach bereits 6 Wochen ab dem letzten Kauf, durch neue Kollektionen in den Läden zum Wiederkauf animiert werden (vgl. Hines/Bruce 2007, S. 40-44).

Der Trend in der T&B-Industrie, in immer kürzeren Abständen Kollektionen auf dem Markt zu bringen (Fast Fashion) (vgl. Mert/Klade/Seebacher 2008, S. 41, vgl. Fletcher 2007), entspricht grundsätzlich nicht dem Gedanken der Nachhaltigkeit und wird deshalb von Zielgruppen wie den LOVOS durch Reparatur/Verschönerung der Kleidung, Second-Hand-Käufe und bewusstem Verzicht boykottiert. Somit kann angenommen werden, dass die Häufigkeit, mit der ein Unternehmen neue Kollektionen einführt auch als Nachhaltigkeits-Dimension in den Produkt- und programmpolitischen Entscheidungen berücksichtigt werden soll (vgl. Villiger/Wüstenhagen/Meyer 2000, S. 151). Das Konzept der so genannten Slow Fashion ist an die Slow Food Bewegung angelehnt und beinhaltet einen Fokus auf Qualität, statt Quantität, verknüpft mit bewusstem und verantwortungsvollem Konsum (vgl. Fletcher 2007).

Veröffentlicht in Umsetzung des Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung durch das Nachhaltigkeits-Marketing

Product Lifecycle und Product Stewardship

Zur produkt- und programmpolitischen Planung gehört die Betrachtung der öko-sozialen Aspekte während des gesamten Produktlebenszyklus. Idealerweise werden über sämtliche Wertschöpfungs- (zB Beschaffung der Rohstoffe, Produktion) und Nutzungs- sowie Verwertungs- und Wertvernichtungsphasen (zB Entsorgung) beteiligte Akteure, nach dem Prinzip des Product Stewardship (gemeinsame Produktverantwortung) mit eingebunden (vgl. Balderjahn 2004, S. 173-177).

Darst.: Produktlebenszyklus der Textilherstellung
Quelle: Balderjahn 2004, S. 175

Die Anforderungen, die das Leitbild der Nachhaltigkeit an das Produkt stellt, spiegeln sich vor allem in der Produktion und Beschaffung wider. Die Auswahl von Zulieferern und die Beschaffung von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen muss unter den Bedingungen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeitsdimension erfolgen. Speziell bei international vernetzten Wertschöpfungsketten ist die Koordination, Durchsetzung und Kontrolle von Maßnahmen eine große Herausforderung für Unternehmen (vgl. Kirchgeorg 2005, S. 44). Viele engagierte Unternehmen stellen sich dieser Herausforderung, in dem sie die Wertschöpfung anhand international anerkannter Nachhaltigkeits-Standards ausrichten und ihren Zulieferern Empfehlungen zur besseren Sozial- und Ökologieverträglichkeit geben.

Wird die Wertschöpfungskette nach sozial-ökologischen Anforderungen ausgerichtet, wird auch von integrated supply chains gesprochen. Umwelt- und Sozialmanagementsysteme wie ISO 14001, EMAS und SA 8000 helfen die Anforderungen systematisch in die Prozesse und Entscheidungen im Unternehmen und in der Wertschöpfungskette zu berücksichtigen (vgl. Belz/Hildes­heimer/Bilharz 2005, S. 246).

Bei der Gestaltung und Koordination der Wertschöpfung müssen speziell in Entwicklungsländern bestehende Bildungsdefizite (zB Analphabetentum) berücksichtigt werden. Auch die Verfügbarkeit von Informationen ist vor allem bei der Landbevölkerung oftmals nicht im idealen Ausmaß gegeben. Das kann speziell beim Einkauf von Saatgut und/oder dem Verkauf von landwirtschaftlichen Erzeugnissen (zB Baumwolle) im Zuge der mangelnden Preis­transparenz und der fehlende Information über verbesserte Anbaumethoden oder Effizienzsteigerungsmöglichkeiten ein Problem darstellen (vgl. Kirchgeorg 2005, S. 55-56).

Veröffentlicht in Umsetzung des Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung durch das Nachhaltigkeits-Marketing

Leistungs- und Produktpolitik

Die Leistungs- und Produktpolitik des Marketings konzentriert sich auf Entscheidungen in Bezug auf die Gestaltung der am Markt anzubietenden Leistungen und Produkte. Die anzubietende Leistung ist nicht nur als technische, sondern auch als marktbezogene Herausforderung zu betrachten. Die Leistungen für den Markt sollen eine Kombination aus materiellen und immateriellen Bestandteile darstellen. Es kann auch von einem Grundnutzen (technisch-funktionale Eigenschaften) und einem Zusatznutzen in Form eines Erbauungsnutzens (zB schönes Design) oder eines Geltungsnutzens (zB soziale Anerkennung) gesprochen werden. Zusatznutzen bzw. immaterielle Komponenten eines Produkts gewinnen, angesichts der zusammenwachsenden Märkte und den damit verbundenen Angleichungen von technisch-funktionalen Eigenschaften, immer mehr an Bedeutung. Eine attraktive Gestaltung des Absatzprogramms ist essentiell für das Überleben des Unternehmens und beinhaltet die Entwicklung neuer Produkte, die Verbesserung, Ergänzung und/oder Elimination bereits vorhandener Erzeugnisse (vgl. ebd., S. 397-400). Im Verständnis des modernen Marketings berücksichtigt die Produkt- und Programmpolitik zusätzlich zu den Nachfragern weitere Stakeholder (vgl. ebd., S. 468). Neben der Kommunikation ist die Produktpolitik wohl das mächtigste Profilierungsinstrument. Keine noch so intelligente Kommunikations-, Preis-, oder Distributionspolitik kann eine verfehlte Produktpolitik auf Dauer kompensieren (vgl. Villiger/Wüstenhagen/Meyer 2000, S. 202).

In Zusammenhang mit Nachhaltigkeit wird auf die Notwendigkeit der Product Lifecycle Betrachtung und des Product Stewardship Konzeptes bei der Produktgestaltung eingegangen. Auch das Thema Verpackung findet Beachtung, da diese ebenfalls der Leistungs- und Produktpolitik zugeordnet wird und einen sehr großen Beitrag zum Thema Nachhaltigkeit leisten kann. Die Erläuterung der Problematik des Fast Fashion Trends in der T&B-Industrie ist ebenfalls Bestandteil der Ausführungen, da dieser Trend mit vielen negativen Effekten in Sachen Nachhaltigkeit behaftet ist.