Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Nachhaltigkeits-Marketing Controlling bei der REMEI AG

Betreffend Nachhaltigkeits-Marketing Controlling verwendet REMEI Stakeholdervalue-Ansätze wie die Ökobilanz sowie seit Kurzem eine BSC. In der Kommunikation wird vor allem der CO2-Ausstoß in Zusammenhang mit den Kompensationszielen und
-maßnahmen erwähnt.

Ökobilanz

Die Carbotech Umweltberatung- und -analytik in Basel erstellt jährlich ein Life Cycle Assessment der Remei. Mittels Indikatoren, wie dem CO2-Ausstoß und dem Wasserverbrauch, wird eine Ökobilanz erstellt und im Detail analysiert. Beispielsweise wurden im Geschäftsjahr 08/09 rund 20.000 Tonnen CO2 für die gesamte Textilproduktion der REMEI ausgestoßen. Das lässt die Berechnung zu, beispielsweise, dass dieser Ausstoß mittels 6.000 Klein-Biogansanlagen und 8.000 effizienten Öfen in Indien und Tansania kompensiert werden könnte.

Balanced Score Card

Im Geschäftsjahr 10/11 wird bei Remei mit einer BSC gearbeitet. In einem dreitägigen Workshop wurde das Steuerungsinstrument mit integrierten Nachhaltigkeitszahlen im Team ausgearbeitet. Die BSC enthält die Perspektiven Finanzen, Garne & Halbfabrikate, Bekleidung, Soziales, Ökologie, Qualität, interne und externe Kommunikation, Logistik, Innovationen und Personal. Die einzelnen Perspektiven sind mit Zielen ausgestattet und in Form einer Strategy Map aufbereitet.

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Strategische Nachhaltigkeits-Marketing bei der REMEI AG

REMEI tritt mit Produkten aus, der in Indien und Tansania gefertigten, Bio-Baumwolle unter der Marke bioRe auf. Seit 2008 wurde gänzlich auf 100 % Bio-Baumwolle umgestellt (vorher gab es die Garne auch mit herkömmlich hergestellter Baumwolle).

Die REMEI versteht sich als professionelle Prozess- und Wertschöpfungskettenmanagerin im B2B und produziert daher hauptsächlich unter dem Markennamen ihrer Kunden. Eine eigene Bekleidungsmarke unter dem Label O’C (Organic Cotton) wurde angedacht, muss jedoch auf Grund der Rezession noch zeitlich hinausgezögert werden.

Kunden und Märkte

Kunden, wie Coop (seit 1995 wird die Marke Naturaline gefertigt), Mammut, Monoprix Frankreich, Greenpeace, Elkline, Globetrotter, Rewe Deutschland (Fertigung der FairAlliance Marke für den Discounter Penny) und der deutsch evangelischen Kirchentag schätzen die Produktherstellungskette von REMEI und kaufen durchwegs langlebige sowie qualitativ hochwertige Produkte, wie Bekleidung, Taschen, Küchentücher, Handstrickgarne, Bettwäsche, Frottierware uvm. zu. Auch Garne werden an andere Lieferanten von Coop oder Monoprix zur Herstellung von Textilien verkauft. Grundsätzlich suchen die Kunden einen Lieferanten, dessen Werte mit dem eigenen Unternehmensleitbild, in dem auch die Nachhaltigkeit verankert ist, überein stimmt. Auf diese Weise wird ihr Image durch die Positionierung von REMEI positiv beeinflusst und die eigene Positionierung unterstützt.

Die Absatzmärkte der Kunden liegen in der Schweiz (38 %), Deutschland (18 %), Italien, Frankreich, Litauen, und sonstigen EU-Ländern.

Preispositionierung

Preislich positioniert sich REMEI im Niedrigpreissegment und verfolgt mit REWE Discounter Penny sogar eine Discountstrategie, ohne dabei den hohen Standard an physischer, sozialer und ökologischer Qualität zu verändern. Die Rentabilität wird mittels Economy by Scale möglich gemacht.

Unique Selling Proposition

Die USP bei REMEI stellt eindeutig die sozial verträgliche und ökologisch optimierte Wertschöpfungskette, vom Anbau der Naturfaser auf dem Feld, bis hin zum Fertigprodukt im Regal der Händler für die Herstellung von Produkten als B2B Partner dar. Insgesamt befinden sich 54 Unternehmen im bioRe Partner-Netzwerk. REMEI hat zudem eigene Anbauprojekte für Bio-Baumwolle in Tansania und Indien. 1991 wurde bioRe India Ltd gegründet. Vorerst als Experiment, an dem eine Handvoll Bauern teilnahmen. Bis heute ist die Zahl der Bauern, die sich angeschlossen haben auf über 6.500 gewachsen. 1994 folgte mit bioRe Tanzania Ltd das zweite Anbauprojekt der REMEI. Über 2.300 Bauern verdienen mit dem Anbau von Bio-Baumwolle ihren Lebensunterhalt und können, dank fairer Bezahlung, gut davon leben. Die Kleidungsherstellung erfolgt von der Baumwolle über die Garn- und Stoffherstellung, bis hin zur Konfektionierung in Indien. 50 % der angebauten bioRe Baumwolle wird in Indien zu Kleidung verarbeitet und die restlichen 50 % verlassen als Garn das Land. Produkte, wie Frotteeartikel beispielsweise, werden ab der Garnherstellung in Indien, in Europa (Griechenland, Litauen, Portugal) gefertigt. In Tansania erfolgt der Anbau sowie die Garnherstellung, da es dort nicht sehr viele Firmen gibt, die über die Kompetenz der Weiterverarbeitung verfügen.

Kapital- und Beteiligungsstruktur

REMEI wird als nicht börsennotierte AG geführt. Sämtliche 62 AktionärInnen kennen sich persönlich und gehören zum aktuellen oder ehemaligen MitarbeiterInnenkreis oder sind Familienmitglieder sowie Freunde. Gründer Patrick Hohmann selbst hält einen Anteil von 35 %. Im Schnitt verfügt die REMEI zwischen 40-50 % Eigenkapital. Die Beteiligungen von REMEI an der bioRe Tansania und bioRe Indien laufen über die bioRe Stiftung. In Indien sind auch Bauern am Unternehmen beteiligt.

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Normatives Nachhaltigkeits-Marketing; Ziele der REMEI AG

Nachhaltigkeit wird bei REMEI unter den Aspekten Ökologie, Fairness, Bio-Anbau, Qualität und Transparenz betrachtet. Aus diesen fünf Bereichen werden die Ziele abgeleitet.

Ökologie-Ziele wie: „Die Remei AG inkl. Produktepalette ist bis 2013 CO2-neutral“, „Die Produkte-Ökologie entspricht dem höchsten Standard.“, Fairness-Ziele wie: „SA8000 Zertifizierung der Lieferanten in der bioRe Textilkette. Für Betriebe, welche noch nicht SA8000 zertifiziert sind, muss eine SA8000 Konformität sichergestellt werden.“, „Individuelle Unterstützung für Biobauern, um deren Lebensbedingungen zu verbessern.“, „Förderung der Kaufkraft der Bauernfamilien in Indien und Tansania.“, „Förderung der ländlichen Entwicklung in den Anbaugebieten durch Sozialprojekte.“, Biologische Ziele wie: „Expansion der bioRe Unternehmungen und Erhöhung der Anzahl Bauern.“, „Vergleich von Vor- und Nachteilen der verschiedenen Anbausysteme über landwirtschaftliche Forschung.“, „Auditierung der biologischen Anforderungen.“, Qualität-Ziele wie: „Einführung eines internen Kontrollsystems IKS.“, „Eine umfassende und konsequente Produkteprüfung weiterführen und dadurch die Kundenzufriedenheit auf höchstem Niveau halten.“ und Transparenz-Ziele wie: „Ausweitung der Produkte-Identifizierungsnummer auf alle bioRe Produkte.“.

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REMEI AG – öko-sozial nachhaltiges Wertschöpfungsmanagement

Die T&B-Wertschöpfungskettenmangagerin REMEI wurde 1983 von Patrick Hohmann gegründet und hat ihren Firmensitz in Form von Büroräumlichkeiten und Showroom in Rotkreuz in der Schweiz. Die persönliche Einstellung des Gründers zur sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit wurde u.a. durch die Aufklärungskampagnen von NGOs, wie dem WWF sensibilisiert. Auch die Geburt seiner Kinder ließ ihn darüber nachdenken, welchen Beitrag er leisten kann, damit die nachfolgenden Generationen die gleichen oder gar noch die bessere Chancen haben, als die aktuell lebenden Generationen. Er fungiert als Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der REMEI und verfügt neben langjähriger beruflicher Erfahrung in der T&B-Industrie über eine fundierte Ausbildung als Textilingenieur.

Mit 22 MitarbeiterInnen erwirtschaftete die REMEI einen Umsatz von 15 Mio. EUR im Geschäftsjahr 09/10 (Einbruch auf Grund der aktuellen Krise – 07/08 waren es 21 Mio. EUR Umsatz). REMEI hatte in der aktuellen Wirtschaftskrise größere Umsatzeinbrüche in Frankreich und Italien. Die Schweiz blieb relativ konstant. Dieser Rückgang ist jedoch nur bedingt mit einem Rückgang der Nachfrage bei den EndverbraucherInnen zu erklären. Coop hat beispielsweise auf ein neues Bestellsystem umgestellt, welches eine kurzfristigere Planung und kürzere Lieferzeiten abverlangt, da das Coop-Warenlager abgebaut wurde, um die Kapitalbindung zu reduzieren. Generell wurden bei vielen Kunden die Lagerbestände massiv reduziert, aus Angst vor dem Einbruch der Nachfrage. Dies hat zu einem Abbau der Kapazitäten in der gesamten Lieferkette geführt. Manche der B2B Kunden waren in der Krise zu sehr mit Problemlösungen beschäftigt und haben auf Grund dessen das Thema Bio und Fairtrade im Sortiment nicht mehr weiter forciert. Da sich nun das Ende der Krise abzeichnet, rechnet REMEI wieder mit einer Erholung der angespannten Lage.

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Distribution bei hessnatur

hessnatur vertreibt direkt über den eigenen Webshop und Katalogversand (Bestellungen per Telefon oder Fax möglich) – auch Distanzhandel genannt – sowie drei Läden in München, Butzbach und Hamburg. Die Marktbearbeitung in den USA erfolgt mittels Webshop und Katalog. Ziel ist es, mittels weiterer hessnatur-Läden und künftiger Erweiterung der Distribution durch fremde Kanäle, die Naturmaterialien mit allen Sinnen, quasi hautnah, erlebbar zu machen. hessnatur könnte also schon bald in großen Kaufhäusern neben Marken wie Esprit oder Marc O’Polo auf dem Bügel hängen.
Eine Zwischenstufe zwischen den Bildern im Katalog und der physischen Greifbarkeit in den Läden, stellen die neuen Produktvideos, welche zusätzlich zu den Produktfotos abrufbar sind, dar. Das Model zeigt das entsprechende Kleidungsstück in dem es sich einmal kurz dreht und das Produkt von allen Seiten zeigt. Auf diese Weise kann die KundIn sehen, wie das Kleidungsstück in Bewegung aussieht und wie das Material sowie der Schnitt fallen.

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Operatives Nachhaltigkeits-Marketing bei hessnatur – Fokus Kommunikation

hessnatur setzt in Sachen Glaubwürdigkeit auf Transparenz und weniger auf Zertifizierungen. Die hessnatur Umwelt-Standards liegen, wie bereits erwähnt, höher als die des IVN und des GOTS Siegels. Die Umsetzung des Verhaltenskodex für Lieferanten wird gemeinsam mit der FWF vorangetrieben. Der von der FWF erstellte Bericht über die Lieferanten-Audits ist auf der FWF-Website öffentlich einsehbar. Ein Geschäfts- und/oder Nachhaltigkeitsbericht wird nicht veröffentlicht. Aus Sicht von hessnatur erübrigt sich ein Reporting, da fortlaufend über Aktivitäten und Projekte berichtet und die Rückverfolgbarkeit der Produkte gewährleistet wird.

Rückverfolgbarkeit
Seit 1997 gibt der hessnatur Produktpass Auskunft über die Fertigungsschritte entlang der gesamten ökologischen Kette. Durch ausführliche Deklaration will hessnatur die Transparenz erhöhen und zeigt die Art der verarbeiteten Rohfaser sowie deren Herkunftsland, die Bleiche und Färbung, die Ausrüstung und das Konfektionsland bei jedem Textil im Katalog an.

Darst.: hessnatur Produktpass
Quelle: hessnatur Herbst/Winter Katalog 2010, S. 353

In der Kommunikation wird auf das Thema Qualität, quasi Ökologie auf der Haut, die Herkunft der Stoffe und Fasern eingegangen. Die ökologischen und sozialen Hintergründe dazu werden erklärt, ebenso wie das Thema Umweltschutz, der Standard in der Branche und worin die Unterschiede zu hessnatur liegen. hessnatur führt zudem ein eigens erstelltes Online-Textillexikon. hessnatur betont neben der Information über die einzelnen Materialien und Verarbeitungsschritte in der Kommunikation sehr stark die Aspekte Natürlichkeit, Gesundheit, Wohlgefühl, Sinnlichkeit, Geborgenheit und Sanftheit. Der Slogan „Design for life“ drückt die damit verbundene Lebensqualität für die KundInnen und die an der gesamten Wertschöpfung beteiligten MitarbeiterInnen aus. Die ausgewählten Models verkörpern allesamt Naturschönheiten, die auf sehr authentische Art und Weise die hessnatur Mode präsentieren. Männer, Frauen, Kinder – sprich junge Familien und auch ältere Personen, entsprechend der Zielgruppe von hessnatur, werden zur Produktpräsentation eingesetzt und vorwiegend in der der Natur abgebildet.

Die emotionale Naturfaser
Hessnatur hebt in der Produktpräsentation off- und online die psychologischen Eigenschaften der Naturmaterialien hervor. Ein Wechselspiel zwischen Erklärung und Emotion. Mit Zeilen wie „Weich, anschmiegsam und vor Kälte schützend – das sind die Eigenschaften der Wolle von Alpakas. Sie leben auf großer Höhe in den südamerikanischen Anden in freier Natur.“ So werden LeserInnen des Katalogs auf die nachfolgende Geschichte über die Wolle der Alpakas in Peru eingestimmt. Es folgt eine Beschreibung des Materials und die Geschichte, wie Kreativdirektor Miguel Adrover zum Design des Pullovers inspiriert wurde. Ebenfalls wird auf die Peru-Kampagne hingewiesen; Mittels Videobewerbung können sich zwei hessnatur-BotschafterInnen in Peru die gesamte Prozesskette, angefangen bei der Tierhaltung bis zur Fertigstellung des Endprodukt, der Alpaka-Wolle vor Ort ansehen, mitarbeiten und täglich davon berichten.


Darst.: hessnatur Produktwerbung
Quelle: Herbst/Winter Katalog 2010, S. 94

Immer wieder stoßen LeserInnen beim Blättern des Katalogs auf Seiten mit Illustrationen und Beschreibungen über die genaue Herstellung der einzelnen Naturmaterialien. In Form von Storytelling wird Information über Emotion vermittelt und gibt Einblicke über die Produkt-Hintergründe.

Darst.: hessnatur Storytelling
Quelle: Herbst/Winter Katalog 2010, S. 170-171

Auch zu finden im Katalog – die Empfehlungs-Prämie, die bei Neukundengewinnung ausgeschrieben wird, kann auch als Spende für eine Schulkantine in Komadougou (Projekt von Helvetas und hessnatur in Burkina Faso) umfunktioniert werden. Mit der Prämie erhält ein Kind ca. 50 Mittagessen. hessnatur legt nochmals 50 Essen drauf und schafft gemeinsam mit Kunden somit fünf Monate Essensversorgung für ein Kind. Zudem fließen in Sri Lanka pro Kilogramm Kautschuk-Rohmasse (für Herstellung der Matratzen verwendet) 50 Cent in ein soziales Förderprojekt. Somit wird jede Bestellung bei hessnatur zu mehr, als nur zu einem Produktkauf.
Ebenfalls erwähnenswert; hessnatur druckt sämtliche Kataloge und Printmedien sowie die geschäftliche Korrespondenz auf 100 % Recyclingpapier.

hessnatur Baby
Da die hessnatur-Gründung auf ein Baby zurückzuführen ist, ist der Baby- und Kleinkindebereich bei hessnatur besonders liebevoll gepflegt. Insbesondere online gibt es auf der eigens betriebenen hessnaturbaby-site wertvolle Tipps einer Hebamme rund um das Thema Schwangerschaft, Stillen, Wickeln, Pucken, Baden, Spielen etc. in Zusammenhang mit Kleidung, Pflege, Windeln, sonstigen Textilien, Möbel und Spielzeug. Der Baby-Newsletter hält die Mamas und Papas stets auf dem Laufenden.

PR
PR ist bei hessnatur Chefsache und Wolf Lüdge hält viele Vorträge auf Symposien etc. und gibt Interviews, um die Botschaft des Unternehmens in die Öffentlichkeit zu tragen. Dabei soll das Bewusstsein für Ökologie und Soziales in der Mode und im Konsum gefördert werden.

Produkttester
Empfehlungsmarketing wird bei hessnatur u.a. mit Produkttestern betrieben. Damit soll die Glaubwürdigkeit der Marke und ihrer Produkte unterstrichen werden. Über 3.000 Bewerber waren es beim Start des hessnatur-Produkttester Projekts im Jahr 2008. Davon wurden 100 Personen ausgesucht, die für ein bestimmtes Budget Kleidung zum Testen und Bewerten aussuchen konnten. Kommentare der TesterInnen finden sich u.a. auch im hessnatur-Webshop und in einer emotionaleren Form, wie beispielsweise ein Tester-Video vom Wandern im Gebirge auf dem Blog, Facebook und Youtube.

Nutzung des Web 2.0
hessnatur nützt sehr aktiv die Möglichkeiten des Web 2.0. Neben herkömmlichen Anwendungen wie Website, Webshop und Newsletter des Web 1.0 finden sich ein Blog mit Kommentarfunktion, zwei Facebook Gruppen (hessnatur Allgemein und hessnatur Produkttester) sowie ein Twitter Account. Viele der MitarbeiterInnen sind auf Xing vertreten und erleichtern so die funktionsspezifische Kontaktaufnahme. Der bestehende Webshop wurde vor Kurzem ebenfalls mit einer Kommentar- bzw. Bewertungsfunktion (ähnlich wie bei Amazon) ausgestattet.

Wolf Lüdge erklärt die Vertretung von hessnatur im Bereich Web 2.0 bzw. Social Media folgendermaßen: „Ich finde eine Marke ist eine Art Glaubensgemeinschaft. Unterschiedliche Menschen verbinden sich, in dem sie an etwas Bestimmtes glauben. Und bei hessnatur war es bereits vor Web 2.0 mit all seinen Möglichkeiten so, dass sich die Menschen über die Werte, für die auch unsere Marke steht, verbunden gefühlt haben. Deshalb war Mund zu Mund Marketing bei hessnatur immer schon ausschlaggebend für den Erfolg. Natürlich kann man jetzt als Unternehmen über das Web 2.0 dieses Thema auf einer anderen Ebene spielen und durch die technische Unterstützung eine noch größere Reichweite, schnellere Erreichbarkeit und bessere Aktualität erzielen. Aber egal, wie man die Menschen zusammenbringt, Netzwerke sind schon immer ein ganz wichtiges Marketing-Thema bei hessnatur gewesen, das jetzt durch unseren Blog, unsere Gruppen auf Facebook, Twitter etc. weiter ausgebaut wird.“

Zahlreiche Videos von und über hessnatur sind auf Youtube zu finden. Diese reichen von Making-Of Kollektionen-Shootings, Dokumentation von Katalogschulungen der MitarbeiterInnen in den Läden, über Erklärungen von verantwortlichen MitarbeiterInnen über neue Features im Webshop oder über die Herstellung von Denim-Stoffen, bis hin zu Interviews, Vorträgen und Diskussionen von Geschäftsführer Wolf Lüdge. 19 MitarbeiterInnen inkl. GF Wolf Lüdge bloggen über Themen aus dem und rund ums Unternehmen hessnatur und stellen Beiträge auf Facebook und Twitter.

Doch nicht alle Stakeholder gehen mit hessnatur auf Web 2.0 Kuschelkurs. Mitunter entstehen lebhafte Diskussionen, wie zum Beispiel zu einem gewonnenen Nachhaltigkeitspreis, der im Jahr zuvor an BASF vergeben wurde. Ein Blog-Kommentator stellte diesen Preis in Frage und schrieb zynisch über die Annahme des Preises von hessnatur.

Auch die aktuelle Peru-Kampagne, bei der sich hessnatur Fans per Video als Botschafter nach Peru bewerben können, löste emotionale Kommentare auf dem Blog aus. Manche der Teilnehmer fanden das, von hessnatur implementierte, Voting-System unfair und machten ihrem Ärger Luft. hessnatur wurde Unterstützung von Unfairness vorgeworfen, da im aktuellen System sichtbar ist, wer sich auf den vorderen Rängen befindet und Mitbewerbende selbst sowie deren Freunde, die führenden Kandidaten downgevotet haben. hessnatur selbst überrascht von der unfairen Handhabe des Votings, versuchte das Voting-System zu verbessern (u.a. mit Einführung einer E-Mail Verifikation) und hat nun auch die Votingzeit verlängert.

Der Umgang mit den Möglichkeiten des Web 2.0 ist teilweise noch unerforscht und Unternehmen machen es aktuell nach dem Motto „learning by doing“. Lt. Wolf Lüdge gehört das Zulassen von Kritik zur Glaubwürdigkeit in der Kommunikation im Web 2.0 dazu. Der direkte Dialog mit den MitarbeiterInnen von hessnatur und seinen Stakeholdern ist vor allem durch das Web 2.0 verstärkt worden. Trotz aller Risiken überwiegen die Vorteile: „Wir wollen das Innerste nach Außen kehren. Das hilft uns, Authentizität und Transparenz zu signalisieren.“

Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Operatives Nachhaltigkeits-Marketing bei hessnatur – Fokus Produkte

Vor allem das Instrument Kooperation geht bei hessnatur Hand in Hand mit der Produktpolitik. Auch in der Distribution werden Partnerschaften für Cross-Selling genutzt. Zertifizierungen werden bei hessnatur spärlich eingesetzt. Die Zusammenarbeit mit glaubwürdigen Partnern sowie Transparenz und Nachvollziehbarkeit stehen im Vordergrund.

Leistungs- und Produktpolitik

Primär wird mit Damen-, Herren-, Kinder- und Babybekleidung gehandelt. Aber auch Handstrickgarne, Accessoirs, Schuhe, Wohnaccessoirs, Heimtextilien, Matratzen, Lattenroste und eine eigene hessnatur-Pflegeprodukteserie für Textilien ist über den Versandhandel erhältlich. In den hessnatur-Läden wird zudem die Naturkosmetiklinie Weleda angeboten. Im Bereich Mode existieren 900-1.000 Modelle und ca. 8.000 Artikelpositionen pro Saison. Schnell getaktete Neuigkeit und Abwechslung steht bei hessnatur nicht im Vordergrund – vielmehr die lange Haltbarkeit der Textilien von mehreren Jahren. Es gibt zwei Kollektionen pro Saison, eine große und eine kleine. Die erste große ist im Frühjahr/Sommer Katalog abgebildet, welcher im Januar ausgesendet wird, dannach folgt im April ein Sommerkatalog mit einer kleineren Kollektion. Im Juli erscheint der zweite Hauptkatalog mit der großen Herbst/Winter Kollektion und im Oktober schließlich ein spezielles (kleines) Weihnachtssortiment. Die hessnatur Baby-Kollektion erscheint zweimal pro Jahr und beinhaltet auch eine permanent optimierte Windelkollektion – eine echte Alternative zu Wegwerfwindeln. Ökologisch müssen die Produkte stets möglichst rein, und damit bestens gesundheitlich verträglich sein. Soziale Fairness in der Herstellung ist ebenfalls fixer Bestandteil in der Qualitätsdefinition von hessnatur.

hessnatur verwendet ausschließlich Naturfasern (nachwachsende Rohstoffe). Baumwolle, Schurwolle, Leinen, Hanf, Leder und edle Fasern wie Yakwolle, Kamelhaar, Alpakawolle, Kaschmirwolle und Seide befinden sich im Sortiment. Vorzugsweise kommen die Naturfasern aus kbA und kbT (dies wird zusätzlich über Zertifikate unabhängiger Zertifizierungsorganisationen nachgewiesen und dokumentiert). Die Grenzwerte für die nicht aus kbA und kbT stammenden Materialien entsprechen den hessnatur hauseigenen Standards, welche sich unterhalb der gesetzlichen Werte für Trinkwasser bzw. Obst und Gemüse bewegen. Bei hessnatur stammt die verwendete Baumwolle zu 100 % aus kbA, Wolle zu 30 %, Leinen zu 80 % und Seide zu 80 % (Für Unterwäsche und Babybekleidung werden nur 100 % kbA Materialien verwendet). In der Weiterverarbeitung werden bedenkliche Hilfs- und Farbstoffe nicht eingesetzt. Färbungen sowie Färbevorbehandlungen werden ohne Chlorbleiche und optische Aufheller vorgenommen und die verwendeten Farben sind entweder Naturfarbstoffe (Färbung mittels Pflanzen, Mineralien oder Cochenille mit Hilfe schwermetallfreier Beize) oder synthetische Farbstoffe (ohne Schwermetallverunreinigung und frei von gesundheitsschädigenden Azofarbstoffen). Manche Textilien verkauft hessnatur auch komplett ungebleicht und ungefärbt in ihrem Ursprungsfarbton. Sämtliche Ausrüstungen erfolgen mechanisch mit Hilfe von Dampf, Hitze oder Druck, damit die Textilien lange halten, nicht verfilzen, nicht einlaufen und gleichzeitig atmungsaktiv, wärmend, kühlend und hautfreundlich bleiben. Bei einigen Produkten gibt es eine regenabweisende Imprägnierung aus Bienenwachs, anderen pflanzlichen Wachsen und Ölen bzw. Paraffinen. Auf Motten-Käfer-Schutz-Ausrüstung, antimikrobielle (Biozid-) und Flammschutzausrüstung sowie Filzfrei-, Bügelfrei- und Pflegeleichtausrüstungen, zB durch den Einsatz von Kunstharzen, wird verzichtet. Leder wird überwiegend pflanzlich (über 90 %) und gänzlich chromfrei gegerbt.

Auch Knöpfe sind aus reinen Naturmaterialen, wie Steinnuss, Perlmutt, Horn, Holz, Leder und Glas gefertigt. Reissverschlüsse sind chrom- und nickelfrei, ebenso Schnallen und Nieten. Futterstoffe werden aus Baumwolle und Seide hergestellt.

Im Sinne einer erhöhten Funktionalität ist die Verwendung von Elasthan bis zu einem max. Anteil von 8 % pro Textil erlaubt. Das Elasthan muss jedoch komplett mit Baumwolle ummantelt sein, sodass kein direkter Hautkontakt besteht. Der Einsatz von PVC und Teflon ist nicht zulässig.

Matratzen werden aus Naturkautschuk, Kokoskautschuk, Rosshaar, Schurwolle, Baumwolle (ebenfalls kbA und kbT) und Lattenroste aus Buchenholz, ohne Metall, angeboten.

„Wichtig ist, dass die Bio-Naturfasern auch in der Weiterverarbeitung nicht mit Chemikalien belastet werden – ansonsten nutzt das ganze Bio nichts, außer natürlich, dass die Leute auf dem Anbaufeld nicht unnötig von Chemikalien belastet werden. Dem Endkunden bringt es nur etwas, wenn die Naturfaser bis zum Schluss schadstofffrei gehalten wird – sprich die ganze Prozesskette der Verarbeitung entlang, nur dann ist es wirklich als Fertigprodukt immer noch Bio. Viele bieten Produkte aus Bio-Baumwolle an, achten aber in der Weiterverarbeitung überhaupt nicht mehr auf den Chemikalieneinsatz und der Endverbraucher meint dann, er kauft sich ein schadstofffreies Kleidungsstück, wenn bio drauf steht … also bio ist nicht gleich bio …“, so Wolf Lüdge zum Thema, wie Bio bei hessnatur definiert wird.

hessnatur arbeitet mit insgesamt 116 Lieferanten und 152 Produktionsstätten zusammen. Etwa 60 % der Betriebe befinden sich innerhalb von EU-Mitgliedsstaaten. Auch in Hochlohnländern wie Deutschland, Frankreich, Holland und Österreich. Viele „Spezialisten“ für die Verarbeitung bestimmter Fasern sind gerade auch in deren Anbauländern zu finden. So bezieht hessnatur etwa aus China hauptsächlich Artikel aus landestypischen Fasern, zum Beispiel Seide, Hanf oder Edelhaare, wie Kaschmir. Sowohl die Gewinnung, als auch die Verarbeitung dieser Fasern findet heute zu großen Teilen in China statt. Kompetenzzentren für die Verarbeitung von Baumwolle liegen heute unter anderem in der Türkei, für die Konfektion von Jersey und Nachtwäsche im Baltikum. Gleichzeitig werden zunehmend Konfektionsbetriebe gerade auch in Deutschland geschlossen. Fachliches Know-How geht verloren. Eine weitere Verlagerung der Produktion ins Ausland ist damit bei der großen Artikelvielfalt von hessnatur nicht zu vermeiden. Insbesondere in kritischen Produktionsländern überprüft hessnatur die Arbeitsbedingungen in den Betrieben deshalb sehr intensiv und wählt neue Lieferanten besonders sorgfältig aus.

Naturfaser-Projekte

Öko-Pioniere wie hessnatur haben meist Probleme mit der Verfügbarkeit von biologischen und fair gehandelten Rohstoffen. Das ist wohl auch der Grund, warum hessnatur viele der Anbauprojekte selbst initiiert und aktiv mit betreut. Im Folgenden werden einige der Projekte vorgestellt:

Baumwolle

1990 startete hessnatur das weltweit erste Bio- Baumwoll-Anbauprojekt mit der Sekem-Farm in Ägypten. Bio-Baumwollanbau gab es bis dato nicht, so musste hessnatur selbst aktiv werden und zusammen mit der Sekem-Farm das Projekt initiieren. Heute stammen die ca. 400 t Jahresbedarf an Baumwolle größtenteils aus der Türkei, aus Peru und aus dem hauseigenen Fairtrade Anbau-Projekt, gemeinsam mit Helvetas, in Burkina Faso in Afrika.

Rhönschafwolle-Projekt in Deutschland

Das Rhönschaf ist eine landschaftstypische Schafrasse der Rhön (Gebirge zwischen Bayern, Hessen und Thüringen), die durch das hessnatur-Projekt wieder als heimischer Wolle-Lieferant populär wurde – die Gesamtpopulation des Rhönschafes liegt nur mehr im fünfstelligen Bereich. hessnatur gibt den Schafzüchtern eine Abnahmegarantie für ihre Wolle und unterstützt somit den Fortbestand der traditionellen Schafrasse.

Flachsanbau (Leinen) in Deutschland

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Biologisch Dynamische Forschung (IBDF) e.V. in Darmstadt (mit unterstützender Start-Förderung des Landes Hessen) wurde ein Bio-Flachsanbau Projekt in Hessen ins Leben gerufen. Die Zusammenarbeit mit dem IBDF ist Anfang 2010 ausgelaufen. Ziel ist ein 100 % (dzt. 30 %) deutsches hessnatur Bio-Leinen Sortiment. Seit 2009 werden 100 Tonnen Flachsstroh auf 25 Hektar Anbaufläche gewonnen, damit unterstützt hessnatur die Existenzsicherung der Öko-Bauern in Deutschland.

Alpakawolle in Peru

Direkt in Peru, werden Produkte aus der Wolle, des aus den südamerikanischen Anden stammendem Suri-Alpakas, gemacht. Matthias Hess, Sohn von Firmengründer Heinz Hess, kümmert sich vor Ort um die Beschaffung und Verarbeitung der Wolle.

Seidenprojekt in China

Tierschützer stufen die Züchtung und Tötung von Raupen bzw. Faltern für Zwecke der Faserherstellung als kritisch ein.  Abgesehen von diesem Punkt ist die Seidenherstellung Lebensgrundlage vieler Bauern. Auch in der Herstellung von Seide gibt es inzwischen ähnliche Probleme wie im Anbau mit anderen Naturfasern, wie hoher Pestizideinsatz und Kunstdünger. Auch Hormon- und Genmanipulation wird in Zusammenhang mit der Seidenherstellung betrieben. Im Jahr 2001 hat hessnatur gemeinsam mit ALKENA das SABA-Projekt (Sichuan ALKENA Biodynamik Agriculture), in der Gegend von Jiangyou (China), mit Hilfe staatlicher Subvention gestartet. Über 600.000 Maulbeerbäume (einzige Nahrung der Maulbeerseiden-Spinner „Bombix Mori“), hunderte von Obstbäumen und ca. 5.000 andere Bäume wurden inzwischen nach dem Konzept des biologisch-dynamischen Landbaus gepflanzt. Bevor gepflanzt werden konnte, mussten 13 km Straße, eine Hochspannungsstation mit mehreren km Zuleitung und eine Wasserpumpstation errichtet werden. Die Terrassierung des Hügels, der Bau eines Bewässerungsbeckens und das Anlegen der Saatfelder rundeten die Infrastruktur ab.

Die biologische Anbauweise wirkt sich äußerst positiv auf die Größe der Raupen aus, welche dickwandige und fleckenlos weisse Cocons produzieren. Zudem verändert der biologisch-dynamische Landbau des Projektes auch die Lebensumstände der Bauern im betreffenden Gebiet positiv und gilt inzwischen als Prestige-Objekt in China. Am Projekt arbeiten ein Projektleiter und 12 Festangestellte. Für anfallende Arbeiten wird mit Bauern aus der Umgebung zu einem fairen Arbeitslohn gearbeitet. Die Bauern profitieren durch Schulungen im biologisch-dynamischen Landbau auch für ihre eigenen Betriebe. Somit unterstützt hessnatur gleichzeitig die Umwelt sowie die Menschen vor Ort und gewinnt qualitativ hochwertigste Seide für die eigene Produktpalette.

Energie

hessnatur bezieht am Standort in Butzbach Öko-Strom (Wasserkraft und Sonnenenergie). Der Verkaufsladen in Butzbach wird mittels Erdwärme geheizt.

Verpackung

hessnatur verwendet ausschließlich umweltfreundliche Verpackungsmaterialien, wie Kartons, Banderolen und Tüten aus recyceltem Papier bzw. aus Wellpappe mit Öko-Signet, Bio-Baumwollbeutel und wenn Plastik, dann Polyethylen (welches für den Menschen kein gesundheitliches Risiko darstellt, da aus Ethylen).

Cross Selling (Kooperation)

Neben der Kooperation mit der Naturkosmetiklinie Weleda, welche in den hessnatur-Läden angeboten wird, ist auch die aktive Nutzung des Cross Selling Potentials mit anderen Partnern ein immer gewichtigeres Thema. Unternehmen, deren Zielgruppe die gleichen Werte teilen, wie die von hessnatur, tun sich zusammen und machen ihre Kontakte mit Hilfe der Beilage von Informationsmaterial bei Paketen und/oder Katalogversand gegenseitig auf sich aufmerksam. Aktuelle Cross Selling Partner von hessnatur sind die Grüne Erde (Naturholzmöbel), das Hotel Rogner in Bad Blumau in der Steiermark (positioniert sich im Bereich Ökotourismus und verwendet die hessnatur Heimtextilien), die Zotter Schokoladenmanufaktur und Sonnentor (Gewürze und Tees).

Sourcing-Center

Seit Kurzem öffnet sich hessnatur auch dem B2B-Geschäft. Es werden Produkte mit hessnatur-Label, mit fremdem Markenlabel (optional mit „made by hessnatur“) sowie Produkte ohne Label produziert. Großabnehmer, Institutionen, Unternehmen und Veranstaltungen, die Kleidung aus öko-sozial verträglicher Herstellung verwenden wollen, können das hessnatur Sourcing-Center für sich in Anspruch nehmen. Für viele ist ein Werbegeschenk inzwischen mehr geworden, als eine auf das Textil gedruckte Botschaft, das Textil selbst wird zur Botschaft und unterstützt ein gutes Image. Nachhaltigkeit ist u.a. auch aus diesem Grund für Großabnehmer interessant geworden.

Soziales

Deutschland

hessnatur gilt in Deutschland als familienfreundlicher Betrieb. Nach dem Mutterschaftsurlaub haben die Mütter die Möglichkeit mit einem Teilzeit-Job wieder ins Berufsleben ein zu steigen. Zudem sind Kinder-Hochstühle fixer Bestandteil der Kantine und viele der MitarbeiterInnen essen gemeinsam mit ihren Familien zu Mittag. Ein Mitarbeiter äußerte sich im hessnatur-Blog positiv über die Möglichkeiten der Vereinbarung von Familie und Beruf bei hessnatur – auch in kleinen Dingen des Alltags, wie einem privat notwendigen Telefongespräch, kurzfristigem Problemlösungsbedarf etc. Da die Idee der Unternehmensgründung über ein Baby entstand (das erste Kind von Heinz Hess) und auch heute Familien zu den Hauptkunden von hessnatur gehören, ist die Unternehmenskultur dementsprechend familienfreundlich geprägt. Das jährliche, vom Betriebsrat organisierte, Sommerfest für MitarbeiterInnen und ihre Familien leistet ebenfalls einen Beitrag zur integrierten Firmenkultur. Die Lohnpolitik ist auch in Deutschland fair ausgelegt. Die Gleichstellung der Geschlechter ist für hessnatur selbstverständlich. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit ist die Devise. hessnatur zahlt seinen MitarbeiterInnen zusätzlich zum tariflichen Urlaubsgeld noch ein Weihnachtsgeld, zudem sind alle MitarbeiterInnen am Gewinn beteiligt. Diese Beteiligung kann durchaus bis zu 1.500 EUR netto zusätzlich pro Jahr betragen. Auch finanzielle Zuwendungen für Jubilare (zB bei längeren Dienstverhältnissen) und Geschenke bei Kindsgeburten sind bei hessnatur vorgesehen.

Bio-Baumwollanbau in Burkina Faso

Zusammen mit Helvetas (Schweizer Entwicklungsorganisation) wird der Anbau von Fairtrade Bio-Baumwolle in Burkina Faso gefördert. hessnatur garantiert eine jährliche Abnahmemenge von ca. 150 t. Über 2.000 Bauern sind an diesem Projekt beteiligt und profitieren von fairen Preisen (40 % über dem Weltmarktpreis), bestehend aus einer 20 %-igen Bio-Prämie und einem 20 %-igen Fairtrade-Zuschlag, der in soziale Projekte vor Ort investiert wird (Schulen, Büchereien etc.). Durch den giftfreien Anbau, wird zudem die Gesundheit der Bauern geschützt und durch die Fruchtwechselwirtschaft (meist bauen die Bauern ihre eigene Nahrung mit auf dem Feld an), bleibt der Boden fruchtbar und ihre angebauten Nahrungsmittel ebenfalls giftfrei. Die Glaubwürdigkeit von Helvetas unterstützt dabei die Glaubwürdigkeit von hessnatur – ein Fairtrade Siegel, welches 2 % Mehrkosten der Rohware bedeuten würden, erübrigt sich dadurch lt. Wolf Lüdge.

Gewährleistung der Einhaltung von sozialen Standards in der Weiterverarbeitung durch die Mitgliedschaft bei der FWF

2005 wurde hessnatur als erstes deutsches Unternehmen Mitglied der MSI FWF. Die Umsetzung der Sozialstandards (nach Vorgaben der ILO) bei den Lieferanten wird vor allem in kritischen Ländern begleitet. Ein Mal im Jahr verschaffen sich die Repräsentanten der Zivilgesellschaft (die IG Metall für die Gewerkschaften und die CIR für die NGO-Seite der CCC) einen Einblick, wie weit hessnatur in Bezug auf die Umsetzung der Arbeitsrechte ist und wie die Einkaufspolitik gestaltet wird.

Integrationswerkstätte in Kathmandu

Nepal gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, hier gibt es noch archaische Krankheiten – wie zum Beispiel Lepra. Wer befallen ist, wird von der Gesellschaft ausgestoßen. Darum gründete der Verein Nepra e.V. aus Deutschland 1989 eine Leprastation in Kathmandu. Dass Lepra heilbar ist, war damals längst nicht allen Nepalesen bekannt. Doch auch für die Geheilten war eine Rückführung in die Gesellschaft beinahe unmöglich. Die Initiative von Nepra e.V., eine Integrationswerkstatt zu gründen, in der ehemals kranke und gesunde Menschen zusammen arbeiten können, findet heute als ein gelungenes Resozialisierungsmodell weltweit Beachtung. In Projektdörfern wie Sewa Kendra und Kalaiya Bara finden 434 Menschen in diesen Textilwerkstätten Arbeit. Sie weben feinste Fäden aus Wolle, Kaschmir und Pashmina zu kostbaren Stoffen, aus denen dann exquisite Kleidungsstücke entstehen, unter anderem auch für hessnatur.

Schulkleidung (keine Uniform)

Gerade bei Kindern und Jugendlichen an Schulen ist der Markenzwang und -neid störend für das Gemeinschaftsgefühl. hessnatur will gesunde, faire und gemeinschaftsstiftende Kleidung für den Schulalltag fördern und bietet deshalb eine Schulkleidungs-Kollektion zum Selbstkostenpreis an. Die Kleidung wird in den Wunsch-Farben der Schule und mit individuellen Schullogos hergestellt. Zur Bestickung mit Schullogos wird mit der Behindertenhilfe Wetterau zusammengearbeitet. Insgesamt haben bereits 16 Schulen hessnatur Schulkleidung, weitere 40 Schulen haben Interesse bekundet.

Zusammenarbeit mit Grameen Knitwear

Seit 2008 gibt es eine Zusammenarbeit von hessnatur mit Dr. Muhammad Yunus bzw. mit Grameen Knitwear, einer Non-Profit-Tochtergesellschaft der Grameen Foundation. Grameen Knitwear ist eine Textilfabrik in Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, die hochwertige Jersey-Bekleidung und -textilien nach GOTS-Standards unter vorbildlich sozialen Bedingungen herstellt und in alle Welt exportiert. hessnatur zahlt für jedes produzierte Bio-Baumwolle T-Shirt einen fairen Preis und einen Aufschlag, welcher der Grameen Shikka Inititative zu Gute kommt, die sich für die Aus- und Weiterbildung sozial benachteiligter Menschen in Bangladesch einsetzt.