Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Switcher: Partnerschaftliche Umsetzung sozialer Standards

Soziale Fairness bei Lieferanten wird durch langfristige Partnerschaften (zB Zusammenarbeit mit dem indischen Lieferanten Prem Group seit 1987) gelebt. Regelmäßige Bestellungen, zeitgerechte Vorankündigung neuer Aufträge und eine faire Einkaufspolitik geben den Lieferanten erst die Möglichkeit im eigenen Unternehmen faire Arbeitsbedingungen ein zu führen. Der Switcher Code of Conduct ist nach den Standards der MSI FWF gestaltet und wird an alle weiterverarbeitenden Betriebe zur Implementierung weitergeleitet. Switcher ist in den Bestrebungen, diesen Kodex auch zur tatsächlichen Umsetzung zu bringen, sehr engagiert und bringt sich aktiv mit ein. Zudem verifiziert die FWF die Switcher Kontrollen sowie das Einkaufsverhalten von Switcher und nimmt auch selbst stichprobenartige Kontrollen bei den Switcher Lieferanten vor. Speziell was den Anbau von Bio-Baumwollbauern anbelangt, steht Switcher seinen Lieferanten mit Schulungen beratend zu Seite. Beispielsweise werden die Bio-Bauern in der natürlichen Bekämpfung von Schädlingen, wie dem Baumwollkapselwurm, geschult.

Neben der Switcher Mitgliedschaft bei der FWF sind die Lieferanten der Weiterverarbeitung bei Switcher zudem SA8000 zertifiziert. Ferner verfügt Switcher über das Max Havelaar Fairtrade Siegel, welches Fairtrade Bezahlung der Bio-Baumwollbauern von Helvetas in Mali garantiert.

Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Switcher Produkte-Sortiment: Fairtrade, Bio, Recycling bestimmen die textile Zukunft

Die erste Kollektion von Switcher umfasste zwei Modelle: ein T-Shirt und ein Sweatshirt. Inzwischen befinden sich zahlreiche Modelle für Männer, Frauen, Kinder und Produkte im Accessoirebereich im endverbrauchergerichteten Sortiment. Aufgeteilt in die fünf Kategorien basic, sport, outdoor, fashion und junior. Die Modelle sind vorwiegend einfärbig und mit bequemen, moderne (aber keinen ausgefallenen) Schnitten versehen. Switcher ist bekannt für die große Farbauswahl und das Switcher Colour System, welches jedes Jahr exakt die gleichen Basic Colours garantiert. Seit 2010 bietet Switcher auch besonders strapazierfähige Workwear (Arbeitsbekleidung) an.

Insgesamt werden 50 % des Switcher Umsatzes durch den Vertrieb von Bekleidung und Accessoires über den Einzelhandel und
50 % durch Produkte, die unter der Marke Whale, mittels Druck und/oder Stickerei weiterverarbeitet und an Großkunden gehen (zB Corporate Fashion, Bekleidung für Sport-Mannschaften, Werbegeschenke von Unternehmen an Kunden), gemacht.

Gefertigt wird mit insgesamt 30 Lieferanten in Indien, Bangladesch, Taiwan, China, Portugal, Slowakei, Türkei und Rumänien zu fairen Arbeitsbedingungen für die ArbeiterInnen in den Fabriken und zu kontinuierlich verbesserten ökologischen Bedingungen. Grundsätzlich steht Switcher in Sachen Produkt für gute Qualität, lange Haltbarkeit und ein übersichtliches Sortiment – ergo für „Slow Fashion“.

Ab 2011 werden alle Switcher Produkte, welche Baumwolle enthalten, zu 100 % auf Fairtrade Bio-Baumwolle umgestellt. Alles, was unter der Marke Whale vertrieben wird, ist ebenfalls Fairtrade, enthält jedoch nur gegen Aufschlag Bio-Baumwolle. Es steht jedoch im Raum, dies langfristig zu ändern und auch unter der Marke Whale nurmehr Bio-Baumwolle anzubieten.

Funktionelle Sport- und Outdoorbekleidung wird aus recyceltem PET hergestellt. Bei den synthetischen Fasern ist bei Switcher ein Anteil von 80 % an recyceltem Material enthalten. Mehr ist derzeit lt. Robin Cornelius technologisch nicht möglich, ohne dass es die Qualität der Fasern beeinträchtigen würde. Die Vorteile der synthetischen Fasern liegen für den Träger in der Leichtigkeit des Materials und der Pflegeleichtigkeit im Gebrauch – d. h. diese Faser kann mit niedriger Temperatur gewaschen werden und das Bügeln erübrigt sich in den meisten Fällen. Diese Pflegeleichtigkeit schützt zudem die Umwelt durch Ressourcenschonung während der Gebrauchsphase des Textils. Aus Sicht von Switcher liegt ein weiterer Vorteil in der Reduktion von Kontrollen in der Herstellung, da sich die Probleme des Naturfaser-Anbaus erübrigen. Die Forcierung von Fasern aus recyceltem Material liegt vor allem in der Ansicht von Gründer Robin Cornelius begründet, welcher der Baumwolle keinen langfristigen Platz in der nachhaltigen Herstellung von Textilien einräumt: „Baumwolle hat keine Zukunft in der Nachhaltigkeit, weil der Wasserverbrauch enorm ist und das Land, auf dem Baumwolle angebaut wird, für den Anbau von Lebensmitteln dienen könnte, in 50 Jahren ist cotton out, dzt. leben aber noch zu viele Leute vom Baumwoll-Anbau“. Lt. Robin Cornelius ist recyceltes Polyester die Zukunft nachhaltiger Bekleidung.

Zum funktionellen Bekleidungssortiment aus Naturfasern gehören auch fünf Artikel, welche nach UV Standard 801 (strenger als die von den australischen und neuseeländischen Behörden verfasste Norm AS/NZS 4399) zertifiziert sind. Damit können sich besonders sonnenempfindliche Hauttypen vor Sonnenbrand und damit vor Hautkrebs schützen.

Veröffentlicht in Umsetzung des Leitbildes der Nachhaltigen Entwicklung durch das Nachhaltigkeits-Marketing

Vermittlung von Glaubwürdigkeit mittels Kooperation

Die Glaubwürdigkeit des Produkts nimmt im Nachhaltigkeits-Marketing einen sehr hohen Stellenwert ein. Die ökologische und soziale Qualität ist für die KonsumentInnen nur sehr schwierig nachprüfbar. Diese Art von Qualität stellt eine Vertrauens­eigenschaft dar (vgl. Balderjahn 2004, S. 183). D. h. die KonsumentInnen können gewisse Produkteigenschaften weder vor, noch nach dem Kauf überprüfen, obwohl diese Eigenschaften hohe Priorität für die Kaufentscheidung haben und oftmals mit der Bereitschaft verknüpft sind, einen höheren Preis dafür zu bezahlen. Dieser Unsicherheit der Nachprüfbarkeit können Anbieter durch unabhängige Warentests und Zertifizierungen entgegen wirken (vgl. Meffert/Burmann/Kirchgeorg 2008, S. 41). Durch das Signalisieren von unabhängigen Überprüfungen unterstreichen Unternehmen ihre Aussagen und damit die Glaubwürdigkeit, welche Grundvoraussetzung zur Bildung von Vertrauen ist (vgl. Kirchgeorg 2005, S. 45).

Problematisch in diesem Zusammenhang: Für öko-sozial verträgliche Mode gibt es bis dato noch kein einheitliches Gütesiegel. Neben unabhängigen Siegeln gibt es auch firmeneigene. Vorgeschrieben und kontrolliert werden gesundheits- und umweltschädliche Rückstände im fertigen Kleidungsstück, gesundheitsschädliche Belastungen in Hinsicht auf die ArbeiterInnen, die das Textil fertigen, Umweltanforderungen in der gesamten textilen Kette vom Anbau bis zur Endfertigung (Abwasser, Chemieeinsatz etc.) und soziale Standards (Verbot von Kinderarbeit, faire Arbeitsbedingungen). Manche Labels berücksichtigen alle die genannten Punkte, andere wiederum nur einzelne. Auch unterscheiden sie sich in der Niveausetzung der Anforderungskriterien (vgl. Mert/Klade/Seebacher 2008, S. 38-39).

Inzwischen gibt es sehr viele Labels und die Mehrzahl der VerbraucherInnen überblicken den „Labelsalat“ nicht mehr. Zudem gibt es auch viele Labels, die mehr versprechen, als sie halten (vgl. Villiger/Wüstenhagen/Meyer 2000, S. 44). Sogar an etablierten Labels, wie dem Fairtrade Label der FLO[1] (Fair Labeling Organisation) wird seit einigen Jahren Kritik geübt.

Der Terminus Fairtrade ist weder geschützt, noch durch Richtlinien geregelt. Jedoch ist das Fairtrade-Siegel der FLO (Fair Labelling Organization) inzwischen etabliert und gilt als größter Sozialzertifizierer weltweit. Die Fairtrade Bewegung enstand bereits in den 70er Jahren, durch die Kritik an den Strukturen des internationalen Handels. Mittels Fairtrade wollte man den stark schwankenden und niedrigen Weltmarktpreisen für Rohstoffe und dem Protektionismus der Industrieländer in Form von Subventionen und Handelsbarrieren entgegenwirken und die Lage der Kleinbauern in Entwicklungsländern verbessern. Durch die Öffnung des FLO-Systems für Großplantagen und private Großanbieter wurde in den letzten Jahren verstärkt Kritik laut.

Kritiker wehren sich gegen die Kommerzialisierung und gegen den Einsatz des Siegels von Unternehmen, wie Lidl, Néstle, Starbucks etc. da sie dahinter eine Reinwasch-Strategie vermuten um das trübe Image zu verdecken. Speziell im Lebensmittelbereich gibt es inzwischen einige Verweigerer, die, obwohl sie Fairtrade Ware anbieten, das Siegel aus diesen Gründen nicht mehr anwenden und durch direkte Zusammenarbeit mit Lieferanten und Transparenz in der Kommunikation, ihre KundInnen von ihrer Glaubwürdigkeit überzeugen wollen.

Damit die Menschen in den Entwicklungsländern auch tatsächlich vom fairen Handel profitieren, sollte möglichst viel Wertschöpfung im Süden und nicht im Norden stattfinden. Ansonsten unterstützt der Verbraucher mit dem Preiszuschlag vermehrt die Organisations- und Verwaltungsstrukturen der FLO sowie deren Partner und nicht die Menschen, in den Entwicklungsländern. Speziell im Lebensmittelbereich liegt die hauptsächliche Wertschöpfung von beispielsweise Schokolade in den Industrienationen und nicht in den Entwicklungsländern (vgl. Kreutzberger 2009, S. 238). Im Textilbereich sind die Infrastrukturen in den Entwicklungsländern inzwischen sehr gut ausgebaut und die Wertschöpfung findet vermehrt direkt dort statt, wo die Fasern produziert werden.

Derartige Diskussionen sowie Firmen, die opportunistisch handeln und Nachhaltigkeit lediglich behaupten und kommunizieren, jedoch nicht in die Praxis umsetzen, verunsichern die VerbraucherInnen und es wird für tatsächlich engagierte Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit eine immer größere Herausforderung die Glaubwürdigkeit in der Kommunikation zu transportieren (vgl. Villiger/Wüstenhagen/Meyer 2000, S. 44).


[1] FLO wird in der Schweiz durch die Max Havelaar Stiftung, in Deutschland durch Transfair und in Österreich durch FAIRTRADE Österreich vertreten (vgl. Wikipedia 2010d, vgl. Fairtrade Österreich 2010).

Veröffentlicht in Relevanz von Nachhaltigkeit im T&B-Sektor, Treibende Kräfte für Nachhaltigkeits-Marketing in der T&B-Industrie

Bio- und Fairtrade Boom des Food-Sektors erfasst den Textil-Sektor

Moralisch vertretbare Textilien sind eine Folgeerscheinung des Bio und Fairtrade Booms im Food-Bereich. Durch die dort mittlerweile recht große Auswahl und Verfügbarkeit an Produkten sind die KonsumentInnen nun auch für Nachhaltigkeit im Textilbereich sensibilisiert (vgl. Mert/Klade/Seebacher, S. 44, vgl. Brodde/Grund 2008).

Die Umsatzzahlen für fair gehandelte Produkte steigen trotz Wirtschaftskrise. Eine aktuelle Verbraucherstudie, welche im Auftrag des Forum Fairer Handel von tns infratest in Bielefeld, im Zeitraum von 16.03. bis 27.03.2009 mit 2.051 Personen durchgeführt wurde, verdeutlicht, dass die Bereitschaft, faire Produkte zu kaufen trotz Krise nach wie vor vorhanden ist. 44 % der Befragten kaufen fair gehandelte Produkte. Im Vergleich zu 2007 entspricht diese Zahl einer Steigerung von knapp 7 % – das sind umgerechnet 4,3 Mio. NeukundInnen. Die KäuferInnen kommen aus allen Einkommensklassen. Durch die verstärkte Nutzung von herkömmlichen Distributionskanälen und die Aufnahme von Fairtrade Produkten in Sortimente von Discountern konnten vor allem Zuwächse in den unteren Einkommensschichten erzielt werden. Zudem dürfte auch durch die kontinuierliche Bildungsarbeit ein Teil der Käufer mit niedrigerem Einkommen den SchülerInnen und StudentInnen zugeordnet werden (vgl. Forum Fairer Handel 2009, S. 1 u. 4). Insgesamt stieg der Umsatz mit fair gehandelten Produkten im Jahr 2009 weltweit um 15 % gegenüber dem Vorjahr und macht aktuell 3,4 Mrd. EUR aus (vgl. Die Presse 2010) – im Vergleich dazu; 2007 waren es 1,6 Mrd. EUR (vgl. Grimm 2008, S. 36).

Unternehmen investieren Unmengen an Geld in Werbung und Marketingkampagnen, um die KonsumentInnen von ihrem Produkt zu überzeugen. Sie konkurrieren intensiv um die Loyalität der KundInnen. D. h. die VerbraucherInnen haben mit ihrer Kaufentscheidung die Macht, die Unternehmen in ihrem Tun zu beeinflussen (vgl. Königshofer 2010).