Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Switcher: Partnerschaftliche Umsetzung sozialer Standards

Soziale Fairness bei Lieferanten wird durch langfristige Partnerschaften (zB Zusammenarbeit mit dem indischen Lieferanten Prem Group seit 1987) gelebt. Regelmäßige Bestellungen, zeitgerechte Vorankündigung neuer Aufträge und eine faire Einkaufspolitik geben den Lieferanten erst die Möglichkeit im eigenen Unternehmen faire Arbeitsbedingungen ein zu führen. Der Switcher Code of Conduct ist nach den Standards der MSI FWF gestaltet und wird an alle weiterverarbeitenden Betriebe zur Implementierung weitergeleitet. Switcher ist in den Bestrebungen, diesen Kodex auch zur tatsächlichen Umsetzung zu bringen, sehr engagiert und bringt sich aktiv mit ein. Zudem verifiziert die FWF die Switcher Kontrollen sowie das Einkaufsverhalten von Switcher und nimmt auch selbst stichprobenartige Kontrollen bei den Switcher Lieferanten vor. Speziell was den Anbau von Bio-Baumwollbauern anbelangt, steht Switcher seinen Lieferanten mit Schulungen beratend zu Seite. Beispielsweise werden die Bio-Bauern in der natürlichen Bekämpfung von Schädlingen, wie dem Baumwollkapselwurm, geschult.

Neben der Switcher Mitgliedschaft bei der FWF sind die Lieferanten der Weiterverarbeitung bei Switcher zudem SA8000 zertifiziert. Ferner verfügt Switcher über das Max Havelaar Fairtrade Siegel, welches Fairtrade Bezahlung der Bio-Baumwollbauern von Helvetas in Mali garantiert.

Veröffentlicht in Relevanz von Nachhaltigkeit im T&B-Sektor

Gewerkschaften & Vereinigungsfreiheit

Auch wenn Gewerkschaften in manchen Billiglohnländern lt. Gesetz legal sind – die ArbeiterInnen werden bedroht und eingeschüchtert. (Vgl. Klein 2001, S. 223). Wie auch die ArbeiterInnen von Hermosa Manufacturing in El Salvador, einem Zulieferer von Adidas. Um sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zur Wehr zu setzen, gründeten die ArbeiterInnen 2005 eine Gewerkschaft. Daraufhin wurden sie suspendiert. Eine Abfindung gab es nicht. Auch die ihnen zustehenden letzten Monatslöhne wurden nicht ausgezahlt. Der Fabriksbesitzer, Salvador Montalvo, hat zudem seit 1996 sämtliche Sozialbeiträge zwar vom Lohn der ArbeiterInnen abgezogen, jedoch nicht an die Rentenkasse und die Krankenkasse weitergeleitet. Insgesamt handelt es sich um eine Summe von 353.000 USD, die den ArbeiterInnen zustehen würde. Die ArbeiterInnen fanden auf Grund der Gewerkschaftsgründungen zudem keinen neuen Arbeitsplatz in anderen Fabriken. Sie sind nun auf Grund der Arbeitslosigkeit und der fehlenden Weiterleitung der Sozialbeiträge hoch verschuldet. Dieser Fall ist kein Einzelfall (vgl. CIR 2008).

Immer wieder machen Trägerorganisationen der CCC die Markenhersteller auf die Missstände bei ihren Produktherstellern aufmerksam. Wie auch im o.a. Fall, wollen die Konzerne nichts davon gewusst haben. Eine Mitverantwortung lehnen sie ab. Obwohl Adidas in der betreffenden Fabrik angeblich 35 Kontrollen durchgeführt hat, seien keine Probleme fest zu stellen gewesen. Adidas gibt gegenüber den KonsumentInnen an, dass regemäßige Kontrollen, die Umsetzung des Adidas-Verhaltenskodex überprüfen. Die Glaubwürdigkeit dieser Kodizes und Kontrollen müssen, durch das Aufdecken solcher Fälle, akut in Frage gestellt werden (vgl. ebd.).

Veröffentlicht in Relevanz von Nachhaltigkeit im T&B-Sektor

Überlange Arbeitszeiten und Subcontracting

Neben der harten Einkaufspolitik, die viele Auftraggeber praktizieren, werden oftmals schwere Konventionalstrafen vereinbart, wenn nicht rechtzeitig geliefert wird. Wer sich weigert Überstunden zu leisten, wird entlassen. Berichten aus Honduras zufolge, wurden ArbeiterInnen schon des Öfteren Amphetamine gespritzt, damit diese 48-stündige Marathonschichten durchhielten, um einen Auftrag rechtzeitig fertig zu stellen (vgl. Klein 2001, S. 223).

Ein weiterer Grund für die massiven Überstunden, sind die kurzen Lieferzeiten, die von den Auftraggebern gefordert werden. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien beflügeln den Strukturwandel in der T&B-Industrie durch Global Sourcing und Lean Retailing Konzepte. Die Bestrebungen die Lagerstände aus Kostengründen möglichst gering zu halten und die Praktizierung von Fast Fashion (alle 6 Wochen eine neue Kollektion) führen zu einer massiven Verkürzung der Lieferzeiten (vgl. Kloos 2009, S. 8).

Auch die Vorsicht der Fabrikbesitzer bezüglich der Aufstockung der Belegschaft führt zu ausbeuterischen Überstunden. Schnell kann es nach größeren Aufträgen auch wieder eine Flaute geben. ArbeiterInnen werden dann unbezahlt in Zwangsurlaub geschickt, der bis zu einer Woche dauern kann. Die Manager der Fabriken versuchen dauerhafte Anstellungen generell zu vermeiden. „Hire and fire“, d. h. Einstellen von Leuten und feuern, bevor sie den Status von Festangestellten erhalten, ist gang und gäbe. In manchen Regionen verfügen ArbeiterInnen über keinerlei Verträge und haben gar keine Rechte (vgl. Klein 2001, S. 223).

„Only a few workers are permanent, like in the checking department. Others are all piece workers. So, they keep coming and going. If they don’t do their work properly or if they take leave, they will be asked to go. If they make mistakes and create any problems in the piece, they will be fired immediately.” (Clean Clothes Campaign 2009, S. 41)

Ein großes Problem, welches die Kontrolle der Einhaltung von sozialen Richtlinien zusätzlich erschwert, ist das so genannte Subcontracting, bedingt durch Aufträge, die die Kapazitäten der Zulieferer übersteigen. Sind die Aufträge für die Kapazitäten der Zulieferer zu groß, vergeben diese wiederum die Aufträge an kleinere Firmen weiter. Gerade bei kleineren Firmen werden Sozialstandards besonders oft verletzt (vgl. Burckhardt 2006, S. 9, vgl. Klein 2001, S. 223), da durch die Auslagerung der Zulieferer der Preisdruck zusätzlich verschärft wird (vgl. Wieland 2008, S. 80). Die direkten Auftraggeber erfahren in den meisten Fällen nicht von der Weitergabe an Subunternehmer (vgl. Busse 2006, S. 37).