Veröffentlicht in Relevanz von Nachhaltigkeit im T&B-Sektor

Gewerkschaften & Vereinigungsfreiheit

Auch wenn Gewerkschaften in manchen Billiglohnländern lt. Gesetz legal sind – die ArbeiterInnen werden bedroht und eingeschüchtert. (Vgl. Klein 2001, S. 223). Wie auch die ArbeiterInnen von Hermosa Manufacturing in El Salvador, einem Zulieferer von Adidas. Um sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen zur Wehr zu setzen, gründeten die ArbeiterInnen 2005 eine Gewerkschaft. Daraufhin wurden sie suspendiert. Eine Abfindung gab es nicht. Auch die ihnen zustehenden letzten Monatslöhne wurden nicht ausgezahlt. Der Fabriksbesitzer, Salvador Montalvo, hat zudem seit 1996 sämtliche Sozialbeiträge zwar vom Lohn der ArbeiterInnen abgezogen, jedoch nicht an die Rentenkasse und die Krankenkasse weitergeleitet. Insgesamt handelt es sich um eine Summe von 353.000 USD, die den ArbeiterInnen zustehen würde. Die ArbeiterInnen fanden auf Grund der Gewerkschaftsgründungen zudem keinen neuen Arbeitsplatz in anderen Fabriken. Sie sind nun auf Grund der Arbeitslosigkeit und der fehlenden Weiterleitung der Sozialbeiträge hoch verschuldet. Dieser Fall ist kein Einzelfall (vgl. CIR 2008).

Immer wieder machen Trägerorganisationen der CCC die Markenhersteller auf die Missstände bei ihren Produktherstellern aufmerksam. Wie auch im o.a. Fall, wollen die Konzerne nichts davon gewusst haben. Eine Mitverantwortung lehnen sie ab. Obwohl Adidas in der betreffenden Fabrik angeblich 35 Kontrollen durchgeführt hat, seien keine Probleme fest zu stellen gewesen. Adidas gibt gegenüber den KonsumentInnen an, dass regemäßige Kontrollen, die Umsetzung des Adidas-Verhaltenskodex überprüfen. Die Glaubwürdigkeit dieser Kodizes und Kontrollen müssen, durch das Aufdecken solcher Fälle, akut in Frage gestellt werden (vgl. ebd.).

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Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz

Zu den Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen mittels Diskriminierung auf Grund des Geschlechts und der physischen und psychischen Misshandlungen, kommen Krankheiten, die durch ihren Arbeitsplatz bedingt sind, hinzu. Genesungsurlaub bzw. Krankenstand gibt es nicht (vgl. Klein 2001, S. 223):

„In der Fabrik ist es sehr heiß. Die Belüftung ist schlecht. Man schwitzt und trocknet aus. Der Staub verstopft die Nase. Um Wasser zu trinken oder auf die Toilette zu gehen, braucht man eine Erlaubnis. Dort überprüfen Sicherheitskräfte den Firmenausweis, da man nicht öfter als ein- oder zweimal täglich austreten darf. Die Anlagen sind verschmutzt, es gibt kein Toilettenpapier. Auch das Trinkwasser ist nicht gereinigt. Beim Verlassen der Fabrik müssen wir entwürdigende Durchsuchungen über uns ergehen lassen.“ (Werner-Lobo 2008, S. 90-91)

Kontrollierte Toilettengänge sind keine Seltenheit. Manche Arbeitgeber öffnen Toiletten während der gesamten Arbeitszeit nur zweimal für jeweils fünfzehnminütige Pausen. Näherinnen erzählen, dass sie manchmal in Plastiktüten urinieren, die sich unter ihren Nähmaschinentischen befinden (vgl. Klein 2001, S. 223). Viele der Näherinnen vermeiden durch diese Vorgaben zu trinken, was bei den nichtklimatisierten, oft überhitzten Räumen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt. Sicherheit am Arbeitsplatz ist keine Selbstverständlichkeit in Billiglohn-Fabriken. Zu viele Menschen sterben auch auf Grund von Fabrikseinstürzen, -unfällen oder -bränden (vgl. Burckhardt 2006, S. 7).

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Diskriminierung und Kinderarbeit

Es sind hauptsächlich Frauen und Mädchen (sprich Kinderarbeit), welche unter den schlechten Arbeitsbedingungen in Asien, Osteuropa, Mittelamerika und einigen Ländern Afrikas leiden. 80 % der Arbeiter in den Fabriken sind weiblich (vgl. Burckhardt 2006, S. 9).

Frauen sind oft die Hauptverdiener in den Familien. Mädchen werden von der Schule genommen, wenn das Haushaltsbudget knapp wird und arbeiten geschickt, zum Beispiel auch um die Ausbildung der Brüder zu finanzieren (Clean Clothes Campaign 2009, S 53). Viele der ArbeiterInnen stammen aus ländlichen Regionen. Meist haben ihre Familien durch Enteignung ihr Land verloren, weil ein Golfplatz oder eine neue EPZ errichtet wurde oder durch verpfuschte Landreformen.

Gerne werden junge Frauen, ohne Schulabschluss, die ihre Rechte nicht kennen und Angst haben, eingestellt. Mit Mitte zwanzig sind die meisten Frauen offiziell „zu alt“ und werden entlassen. Auf diese Weise wird auch gerne die Anzahl der möglichen Mütter auf den Lohnlisten reduziert (vgl. Klein 2001, S. 232-233). Mutterschaft ist wahrhaftig ein Riesenproblem für die Frauen in Billiglohnländern. Untersuchungen von Human Rights Watch zeigen, dass Arbeitgeber Frauen, die sich um eine Stelle bewerben, routinemäßig einem Schwangerschaftstest unterziehen (auf deren eigene Kosten). Man hört auch von Frauen, die bei Schwangerschaft während eines Dienstverhältnisses misshandelt und/oder entlassen wurden. Die Ausbeutung durch Überstunden, wenig Pausen, wenig Schlaf, schlechtes Essen etc. führen immer wieder zu Fehlgeburten am Arbeitsplatz. Es gibt auch Fälle, in denen Arbeitgeber Frauen zu einem Schwangerschaftsabbruch gezwungen haben. Diese Angriffe auf das Fortpflanzungsrecht des Menschen ist eines der brutalen Symptome für das nicht Wahrnehmen unternehmerischer Verantwortung. Ungebundene, kinderlose Frauen sollen in flexiblen Fabriken arbeiten, um ihren Beitrag zur Risikovermeidung, für die an der Lieferkette beteiligten Unternehmen, zu erbringen (vgl. ebd., S. 223).

Eine weitere Diskriminierung auf Grund des Geschlechts ist der sexuelle Missbrauch und die Nötigung, welche(r) vielen Arbeiterinnen in der T&B-Industrie widerfährt. Viele der Aufseher sind männlich und nutzen die niedrige Gesellschaftsstellung der Frauen schamlos aus (vgl. Clean Clothes Campaign 2009, S. 54-55):

„Zwei Männer packten mich und zerrten mich in Richtung des Wagens von Mr. Sharp, dem Sohn des Formosa-Betriebsleiters. „Jimmy will dich. Das ist keine Bitte. Das ist ein Befehl“, sagten die Männer.“ (Werner-Lobo 2008, S. 90-91)

Schläge und Beschimpfungen stehen bei Männern und Frauen in der unteren Hierarchie der Unternehmen auf der Tagesordnung. Wobei Frauen für die Fabriken leichter in der Handhabung sind, da Frauen auf Grund der niedrigeren gesellschaftlichen Stellung sich mehr gefallen lassen müssen als Männer. Das erklärt auch den hohen Frauenanteil in den Fabriken (vgl. Clean Clothes Campaign 2009, S. 55).

„Woman can be made to dance like puppets, but men cannot be tortured in the same way. The owners do not care if we ask for something, but demands raised by the men must be given some consideration. So they do not employ male workers.” (ebd., S. 55)