Veröffentlicht in Fallstudien öko-sozial verträglicher Unternehmen der T&B-Industrie

Normatives Nachhaltigkeits-Marketing bei TRIGEMA

Auf der normativen Ebene steht die Sicherheit der Arbeitsplätze in Deutschland an erster Stelle. Arbeitsplätze, auch in Form von manuellen Tätigkeiten sind lt. Grupp auf ein hohes Niveau zu stellen, jedoch aus seiner Sicht, auch zukünftig unentbehrlich für Hochlohnländer. Er will dabei mit gutem Beispiel vorangehen und betont stark die Wichtigkeit, die Kaufkraft auch in Hochlohnländern weiterhin zu stärken und nicht alle Arbeitsplätze zu exportieren sowie den Wohlstand zu Gunsten von Gewinnmaximierung in Hochlohnländern, als auch in Billiglohnländern zu verringern. Trotz oder eben gerade wegen der Globalisierung und dem Wettbewerbsdruck, beharrt Wolfgang Grupp auf den Standort und vor allem auch auf die Produktion in Deutschland, stellvertretend für alle so genannten Hochlohnländer.

Geprägt ist dieses Leitbild sehr stark durch die persönlichen Werte des Eigentümers selbst. Das Bestreben Verantwortung für MitarbeiterInnen, die Gesellschaft und die Umwelt zu übernehmen und als Unternehmer Anerkennung und Wertschätzung, anstatt Verachtung zu erfahren, ist wohl auch auf die zwei Unternehmergenerationen vor ihm zurück zu führen. Sein Vater und Großvater waren geschätzte Menschen in der Region und ihr unternehmerisches Tun anerkannt und geachtet.

„Seit ich TRIGEMA führe, gab es weder Kurzarbeit noch konjunkturbedingte Entlassungen. Erfolgreich im Sinne von Gewinn hin oder her. Ich konnte meine Leute halten. Das definiere ich als erfolgreich.“, entgegnet Wolfgang Grupp, auf die Frage, was Erfolg für ihn bedeute. Auf die Frage, welche Vision er für TRIGEMA hat, dreht sich in seiner Antwort alles um die Arbeitsplätze: „Ich möchte die Arbeitsplätze, die ich hier in Deutschland mit meinem Unternehmen geschaffen habe, halten. Auch in Zukunft. Da ich nicht weiß, was ich in 10 Jahren mache, verlasse ich mich auch voll und ganz auf meine Kinder. Eines der beiden wird das Unternehmen künftig steuern. Die machen das auch gerne und sind stolz auf ihre Familie und natürlich auch TRIGEMA – sie werden es in meinem Sinne weiterführen, wenn der Zeitpunkt da ist.“

Auch wenn der TRIGEMA-Chef von manchen Kritikern als nationalistisch bezeichnet wird – hinter der Idee Made in Germany steckt nicht allein der Vaterlandsstolz. Er betont seine Aufgaben als Unternehmer im Heimatland. Wäre seine Heimat nicht in Deutschland, wäre er wohl genauso engagiert. Ein Statement im TV-Talk bei Sandra Maischberger im März 2010, bringt das Thema Arbeitsplätze-Export und Unternehmersein auf den Punkt: „Wenn Unternehmer meinen, sie müssen ihre Arbeitsplätze raustragen, in Billiglohnländer, dann fragen Sie diese Unternehmer bitte, wo diese ihre Villa haben, wenn die auch in Rumänien ist oder auch in Bangladesch ist, dann würde ich sagen – okay, der Mann ist wenigstens ehrlich – wenn die Villa aber mit einer Selbstverständlichkeit in einem Vorort einer Großstadt in Deutschland ist und er gleichzeitig behauptet, der Standort Deutschland sei schlecht, dann sag ich, das sind Hasardeure.“

Der in den 2. Weltkrieg hineingeborene Unternehmer betont bei öffentlichen Auftritten auch immer wieder die Qualität des Standortes, trotz dem Gejammere um hohe Lohnkosten und Steuersätze. Die Standards die mit diesen Regelungen einer sozialen Marktwirtschaft nach dem 2. Weltkrieg geschaffen wurden, seien dafür mit den Umwelt- Sozial- und Bildungsstandards in den Billiglohnländern nicht zu vergleichen. „Ich hoffe, dass sich Unternehmer und Manager wieder stärker ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst werden und berücksichtigen, dass sie mit Abwanderung eine verminderte Kaufkraft verursachen und die Abwärtsspirale weiter ankurbeln.“

Neben der Arbeitsplatzsicherung, ist auch die Übersichtlichkeit für Wolfgang Grupp unentbehrlich. Er hat wohl aus der Misere Ende der 60er Jahre bedingt durch die Diversifikation seines Vaters und der Fast-Pleite des Unternehmens, seine Schlüsse daraus gezogen. Eine kompakte Größe verhilft zu schnellen Entscheidungen, mehr Flexibilität und Wendigkeit. Unabhängigkeit ist ebenfalls sehr stark normativ verankert. Die Unabhängigkeit gegenüber Banken zeigt sich im Willen, zur Gänze über Eigenkapital finanziert zu sein. Die Unabhängigkeit gegenüber Kunden, insbesondere gegenüber dem Handel, zeigt sich u.a. auch in der Vorwärtsintegration durch die TRIGEMA Geschäfte. Die Unabhängigkeit gegenüber Lieferanten spiegelt sich in der hohen Wertschöpfungstiefe von 78 % mit Hilfe der vierstufigen Wertschöpfung im eigenen Unternehmen wieder.

Mit Wachstum ist Wolfgang Grupp auf Grund der Größe und des unsicheren Umfeldes inzwischen vorsichtiger geworden. Bevorzugt wird qualitatives Wachstum in Form von neuen Produkten. Wachsen in Sachen Größe kommt für ihn nur organisch in Frage: „Ich erweitere Kapazitäten nur dann, wenn unsere Effizienz ausgeschöpft ist und wir dem Druck 1-2 Jahre nicht mehr standhalten. Das ist für mich dann ein Zeichen, dass der Markt Wachstum hergibt. Ich halte nichts davon aus einer kurzfristigen Marktlaune heraus Kapazitäten aufzubauen, die ich dann langfristig nicht mehr brauche. Ich halte auch nichts davon in Krisen (die kommen und gehen) Kapazitäten abzubauen.“

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TRIGEMA: Deutsches Familienunternehmen produziert trotz hoher Lohnkosten Kleidung in Deutschland

Der schwäbische Familienbetrieb wurde im Jahr 1919 von Eugen Mayer im Alter von 23 Jahren unter dem Namen Mechanische Trikotwarenfabrik Gebr. Mayer KG gegründet. Schon damals lag der Hauptsitz in Burladingen im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Bereits Mitte der 20er Jahre beschäftigte das Unternehmen 200 ArbeiterInnen und fertigte Unterwäsche für Großkunden, wie Kaufhausketten und Versandhäuser. Von Anfang an wurde großen Wert auf Investitionen in moderne Produktionstechniken zur Erhaltung des hohen Qualitätsstandards und der rationellen und stark automatisierten Arbeitsweise gelegt. 1939 stieg Schwiegersohn Franz Grupp mit in die Geschäftsleitung ein. Das Unternehmen beschäftigte damals 800 ArbeiterInnen und verfügte über 9 Filialbetriebe. Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Belegschaft bis 1952 rasch wieder auf rund 1.000 Beschäftigte an. Im Jahr 1959 verstarb Senior Chef Eugen Mayer und Franz Grupp wurde zum alleinigen Geschäftsführer.

Mit den Jahren stagnierte das Unterwäschegeschäft und das Sortiment wurde ausgeweitet. Es wurde nun auch Tennis-Bekleidung angeboten. 1967 wurde der deutsche Tennisstar Wilhelm Bungert für die erste Tennis-Kollektion verpflichtet und damit ein neues Marktsegment erschlossen. Franz Grupp diversifizierte jedoch auch außerhalb der Textilbranche, u.a. gründete er eine Fabrik für Kunststoffspritzguss. Die Diversifikations-Strategie stürzte die Unternehmensgruppe bis 1969 in 5,1 Mio. EUR Bankschulden, bei 8,7 Mio. EUR Umsatz. Das Traditionsunternehmen hatte sein 50jähriges Firmenjubiläum und stand kurz vor der Pleite.

Der Sohn von Franz Grupp, Wolfgang Grupp, schrieb zu dieser Zeit in Köln gerade an seiner Doktorarbeit und erkannte schon während seines Studiums zum Betriebswirt, den T-Shirt Trend, der auf Grund der Flower-Power Bewegung aus Amerika über den großen Teich herüber schwappte. Damals war das T-Shirt für die meisten Europäer nicht mehr als ein Unterhemd, nur eben in Farbe. Viele schenkten dem Trend keine Beachtung und dachten, diese Modeerscheinung sei so schnell wieder vorbei, wie sie gekommen ist. Nicht so Wolfgang Grupp. Er brach sein Doktorats-Studium ab und eilte dem elterlichen Betrieb zu Hilfe. Er konzentrierte sich fortan auf T-Shirts und Sportbekleidung. Der sperrige Traditionsnamen wurde kurzerhand zu TRIGEMA (Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer) umbenannt. Nicht zuletzt auch wegen der Walt Disney Lizenz für ganz Deutschland konnte mit Hilfe der T-Shirts der Umsatz auf 28,1 Mio. EUR gesteigert werden und das Unternehmen wurde im Jahr 1975 komplett schuldenfrei. „Seither habe ich nie mehr mit einer Bank über einen Kredit gesprochen.“ Erklärt Wolfgang Grupp, der seither eine stolze Eigenkapital-Quote von 100 % aufweisen kann. Die Beteiligungen anderer Familienmitglieder zahlte Wolfgang Grupp über die Jahre aus. Sein Bruder erhielt den Kunststoffspritzguss mit eigenem Formenbau, den er heute noch erfolgreich mit 130 MitarbeiterInnen führt. Seit 1983 ist Wolfgang Grupp Alleininhaber von TRIGEMA.

Über die Jahre kamen ständig neue Erweiterungen, wie 1977 das Konfektionswerk in Alzhausen, das TRIGEMA Sport- und Freizeitzentrum (u.a. Indoor Tennis), 1982 das Konfektionswerk in Bahlingen sowie 1985 die Erweiterung Alzhausen um 2000 m2 hinzu. Auch einige Burladinger Textilbetriebe wurden zwischen 1985 und 1993 übernommen und integriert.

Mit 1.200 Mitarbeitenden in insgesamt 7 Werken erwirtschaftete das Unternehmen im Jahr 2008 einen Umsatz von 83,3 Mio. Euro. Die Hälfte des Umsatzes wird dabei durch Verkauf an Firmenkunden generiert, die andere Hälfte durch den Verkauf an Privatkunden.

Als 2008 die Krise über die Medien transportiert wurde, bestimmte Wolfgang Grupp vorübergehend einen Überstunden- und Einstellungs-Stopp. Das Ganze wurde vorsichtig beobachtet. Nach ein paar Monaten war immer noch kein Einbruch der Nachfrage nach TRIGEMA Produkten zu spüren und notwendige Überstunden sowie das Einstellen von „guten“ Leuten (heutzutage ist es für Textiler in Westeuropa inzwischen schwierig geworden passendes Personal zu finden) wurde wieder freigegeben.

Schlussendlich war das Jahr 2009 (85,1 Mio. EUR Umsatz) sogar besser als das Jahr 2008. TRIGEMA war selbst überrascht, dass das Unternehmenskonzept „Made in Germany“ sich ausgerechnet in der Finanzkrise als Vorteil erwies. „Die Finanzkrise hat vielen Leuten vor Augen geführt, dass wenn sie ausländische Billigware bevorzugen, dass sie sich dann nicht mehr beschweren dürfen, wenn das eigene Kind keinen Arbeitsplatz mehr hat. Unser „Made in Germany“ ist darum auch viel mehr beachtet worden. Die Leute sind durch die Krise viel sensibilisierter. Da kamen plötzlich Leute in unsere Testgeschäfte, die längere Wegstrecken auf sich nahmen, um TRIGEMA, „Made in Germany“ zu kaufen.“, äußert sich Wolfgang Grupp zum Thema Wirtschaftskrise. Zu Gute kam TRIGEMA in dieser Zeit die hohe Flexibilität. „Die Kunden waren erst stark zurückhaltend und warteten Anschaffungen ab. Plötzlich aber brauchten sie die Ware dann ganz schnell. Unsere Qualität, unsere Flexibilität und der Standort Deutschland haben uns durch die Krise geholfen.“, stellt Wolfgang Grupp fest, der davon überzeugt ist, dass kleinere Einheiten von Unternehmen besser sind. „Je größer ein Unternehmen, desto komplexer, desto schwieriger und behäbiger zu steuern. Ich genieße es, den Überblick über mein Unternehmen zu haben.“

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Nachhaltigkeits-Controlling bei Switcher

Unternehmerischer Erfolg ist für Switcher nicht allein in Zahlen messbar. Lt. Robin Cornelius steht die Nachhaltigkeit von Unternehmen auf drei Säulen: Positiver Cashflow, gute soziale und gute ökologische Bedingungen.

Die konkrete Definierung von Nachhaltigkeits-Zielen wie zum Beispiel Verringerung des Wasserverbrauchs, Klimaneutralisierung etc. wird bei Switcher mittels eines Stakeholdervalue-Ansatz anhand von Indikatoren ermöglicht. Die Erstellung der Switcher Ökobilanz erfolgt durch Ecointesys, einem Spin-Off der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Dabei wird der ökologische Fußabdruck jedes Produktes, verursacht durch den Herstellungs- und Gebrauchsprozesses (ca. 50 Wäschen) berechnet, welcher auch durch den bereits erwähnten Code of Respect online abgerufen werden kann.

Die Index-Errechnungen werden neben dem Code of Respect auch im Katalog in der Kommunikation eingesetzt. So scheinen folgende Darstellungen neben dem Produkt auf:

Der CO2 Index gibt den Ausstoß des Kohlendioxids und anderer Schadstoffe in kg des gesamten Herstellungsprozesses (Rohstoffgewinnung bis Fertigprodukt) sowie dem Transport vom Produktionsort zum Verkaufspunkt an. Steht darunter das Wort „neutral“, so wurde der CO2 Ausstoß mittels Kompensationsprojekten neutralisiert.

Der H2O Index gibt den theoretisch errechneten Wasserverbrauch in Litern des gesamten Herstellungsprozesses (Rohstoffgewinnung bis Fertigprodukt) vom Produktionsort zum Verkaufspunkt an. Die %-Angabe verdeutlicht die von Switcher erzielte Reduktion gegenüber eines gleichartigen, jedoch herkömmlich produzierten Produktes.

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Switcher: Freiwilliger Gemeinschaftsbeitrag mit Hilfe der Stiftung außerhalb des Core-Business

Neben den zahlreichen sozialen und ökologischen Aktivitäten in der Supply Chain bzw. Smiling Chain, fördert Switcher über die, im Jahr 2004 gegründete, Switcher-Stiftung jährlich mit ca. 100.000 EUR Sozialprojekte im Bereich Kinderbetreuung, Bildung, Umwelt und Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen der Bevölkerung vor Ort in den Produktionsländern.

In China werden, in Zusammenarbeit mit Universitäten und Ausbildungszentren, Kurse für die MitarbeiterInnen der Partner für Informatik, Englisch, Japanisch und Aerobic gegeben. Dabei arbeitet Switcher auch mit Swisscontact einem NGO mit Sitz in der Schweiz zusammen, das Programm nennt sich YES (Youngster Educational Support). Pro Jahr nehmen knapp 300 MitarbeiterInnen dieses Programm in Anspruch.

In Afrika werden zwei Kinderstuben für Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren in den Dörfern Tanguiga und Tibin in Burkina Faso betrieben. Mehr als 100 Kinder werden von Freiwilligen, pädagogisch ausgebildeten Müttern, betreut. Speziell Kinder von benachteiligten Familien vom Land und Waisen erhalten auf diese Weise Erziehung und Verpflegung.

In Indien werden bereits seit 2001 sieben Schulen finanziert, seit 2004 über die Switcher-Stiftung. Über 1.000 Kinder haben dadurch jährlich den Zugang zu Bildung, Schuluniformen und Verpflegung sowie medizinischer Versorgung. Die Schulen sind staatlich anerkannt und bevorzugen vor allem Kinder aus unterprivilegierten Familien. Zusätzlich finanziert die Stiftung inzwischen auch drei mobile Schulen in Form von Schulbussen. Diese ermöglichen Straßenkindern, die arbeiten müssen und keine Unterstützung von ihren Familien bekommen, kostenlosen Zugang zu Bildungsmaßnahmen. – Über 120 Kinder profitieren inzwischen von der mobilen Schule.

Ferner werden auch in Indien, über das Programm YES, Weiterbildungsprogramme für junge ArbeiterInnen zwischen 16 und 25 Jahren durchgeführt. Es werden Kurse in Englisch, Staatsbürgerkunde, Gesundheit & Hygiene, Wissenschaft, Literatur, Computeranwendung, Allgemeinwissen, Handwerk und Handarbeit angeboten. Über 100 ArbeiterInnen nehmen an diesem Programm jährlich teil.

Gesundheitsvorsorge ist ebenfalls Bestandteil der Stiftungs-Aktivitäten in Indien. Das INDE Health Program betreut monatlich kostenlos ca. 1.500 Personen medizinisch und gibt kostenlose Arzneimittel aus. Vor allem Sehtests, Blutspenden und die kostenlose Abgabe von Präservativen inklusive Aufklärung über Aids sind Bestandteile des Programms. Zudem werden an den Switcher Schulen Spirulina Chikkies (Kekse) zur Nahrungsergänzung verteilt. Diese Kekse werden aus Süßwasseralgen hergestellt und enthalten für den Menschen wichtige Nährstoffe.

Unterstützt wird die Stiftung seit Kurzem von der indischen Band Paléo. Begeistert vom Engagement der Switcher Stiftung engagieren sich 20 Musiker für die Switcher Schulen und geben den Kindern die Gelegenheit Musikinstrumente zu erlernen.

Mittels sechs Switcher LKWs werden zudem jeden Tag kostenlos 12.000 Liter Trinkwasser an die Bevölkerung verteilt, die ansonsten keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser hätte.

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Switcher: Multi Channel Distribution

Switcher verfügt über einen Mehrkanalvertrieb. knapp 300 Verkaufspunkte in der Schweiz bilden das Einzelhändler-Vertriebsnetz. Vertrieben wird über Modeboutiquen, Sportshops oder in Corners innerhalb von größeren Verkaufshäusern. Somit verkauft Switcher vor allem in herkömmlichen Distributionskanälen, um auch die Masse bzw. die öko-sozial passiven Kundentypen zu erreichen. Auch Vorwärtsintegration, mittels Shops auf Franchise-Basis und Shop in Shop Corners, wird betrieben. Die Partner werden mit Kommunikationsmaterial für den POS unterstützt. Zusätzlich wird vorwiegend Online-Sprungwerbung praktiziert, um bei potentiellen NachfragerInnen einen Nachfragesog und damit im Handel einen Pull-Effekt zu bewirken.

Im direkten Vertrieb werden Online Shop und die Belieferung direkt an Industriepartner bzw. Großabnehmer kombiniert. Insgesamt befinden sich 1.051 Industriekunden im aktiven Kundenstamm. Hierzu gehören Kunden, die im Bereich Druck, Stickerei, Werbeartikel, Berufsbekleidung, Sportbekleidung und individualisierte Textilien arbeiten. Diese Kunden sind zum größten Teil Mitglieder des Switcher Coporate Händlernetzes. Entscheidend für die Mitgliedschaft ist der Jahresumsatz. Je nach Umsatz werden die Kunden nach TOP, A oder B differenziert.

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Switcher: Authentische Kommunikation

Switcher legt sehr viel Wert auf authenthische, sprich zur Marke passende, Kommunikation. Klassische Werbemaßnahmen im Sinne von Inseraten, Plakaten etc. werden äußerst selten genutzt. Der hohe Bekanntheitsgrad von 80 % in der Schweiz wurde hauptsächlich über Sponsoring und PR-Maßnahmen herbei geführt. Sponsoring wird vor allem im Sportbereich betrieben – beispielsweise als Ausrüster des Swiss Olympic Teams oder des Schweizer Turnerverbands.

Robin Cornelius ist selbst sehr stark in die Öffentlichkeitsarbeit involviert. Vor allem durch Vorträge versucht er für das Thema Nachhaltigkeit, Verantwortung von Unternehmen und KonsumentInnen generell und in Zusammenhang mit der T&B-Industrie zu sensibilisieren und das Bewusstsein für eine sozial und ökologisch verträgliche Marktwirtschaft zu schärfen. Er trägt damit als Gründer, Mehrheitsbeteiligter und Präsident des Verwaltungsrates stark zur Glaubwürdigkeit der Marke bei. Ende 2010 wird er zudem ein eigenes Buch, mit dem Titel „Über-Leben“ veröffentlichen, in welchem er seine Sichtweise über das Leben von Werten im System Wirtschaft für die Öffentlichkeit darlegen wird. Ferner ist ein, von ihm eigens betreuter, Blog angedacht. Warum er seine Person so stark für die Vermittlung von Glaubwürdigkeit einsetzt, begründet er in folgendem Statement „Switcher ist ein großer Teil von mir. 30 Jahre meines Lebens.“ Auf diese Weise wird die Marke Switcher sehr stark durch Robin Cornelius selbst personifiziert.

In Sachen Glaubwürdigkeit setzt Switcher auf totale Transparenz, nach dem Motto „we have nothing to hide“. So wird seit 2002 jährlich ein übersichtlich gestalteter CSR Bericht (Inhalt: Organisationsstruktur, Vision & Strategie, Stationen der Switcher-Entwicklung, Stakeholder, Unternehmensführung, Managementsystem, Umwelt, Switcher-Stiftung, Schlussfolgerungen) sowie seit 2004 ein Jahresbericht über die Stiftungsprojekte veröffentlicht. Seit 2005 gibt es bei Switcher zudem eine eigene Firmenzeitung. Die FWF veröffentlicht ebenfalls jährlich einen Bericht über die Verhaltenskodex-Umsetzung bei den Switcher Lieferanten. Alle Berichte werden sowohl offline als Printausgabe, als auch online auf der Website zur Verfügung gestellt.

Je nach Involvement können sämtliche Informationen in Sachen Nachhaltigkeit über das Internet abgerufen werden. Zudem findet ein aktiver Stakeholder-Dialog auf der Facebook Gruppe von Switcher selbst und Gruppen, die von Fans gegründet wurden, statt. Zahlreiche Videos über Switcher und die sozialen und ökologischen Aktivitäten sind über Youtube abrufbar, werden jedoch auch auf Facebook gepostet. Besonders über Video wird interessierten Stakeholdern die Information sehr attraktiv und leicht verständlich, mit viel emotionalem Bildmaterial näher gebracht. Der Empfänger bekommt Einblicke, welche Auswirkungen sein Kauf von Switcher Produkten auf die Menschen, beispielsweise in Indien, hat. Viele der Switcher MitarbeiterInnen sind auch im Online Business Network Xing erreichbar, was die Kontaktaufnahme für Interessierte erleichtert.

In der Kommunikation betont Switcher stark das Thema Respekt gegenüber Mensch, Tier und Natur. Die Bilderwelt von Switcher zeigt sowohl einfache, emotionslose und informationsgeladene Produktfotos, als auch schwerpunktmäßig Familien, abgebildet in der Natur, teilweise mit Windmühlen im Hintergrund (Hinweis auf den Einsatz von Windmühlenenergie-Anlagen bei Prem Group in Indien). Immer wieder scheinen im Katalog und auf der Website auch Fotos von den Herstellungsfabriken und ihren MitarbeiterInnen, gemeinsam mit MitarbeiterInnen aus der Schweiz, auf. Auch Fotos der Stiftungsprojekte werden gezeigt. Viele Fotos, Videos, das Logo und Produktinformationsblätter stehen Online zum Download zur Verfügung.

Der Gemeinnutzen steht in Form von Respekt und Verantwortung in der Kommunikation im Vordergrund. Beispielsweise lautet die Botschaft der neuen Kampagne für das Fairtrade Bio-Shirt mit Klimaneutralisierung folgendermaßen:

„Das T-Shirt einer verantwortungsbewussten Generation. – Respekt ist unsere Antriebskraft. Respekt gegenüber der Erde, ihren Bewohnern, der Natur und den nachkommenden Generationen. Seit über 25 Jahren setzen wir uns für eine ethische und biologische Produktion ein. Wir garantieren absolute Transparenz in unserer Produktionskette – weil Konsum und verantwortungsbewusstes Handeln heute untrennbar verbunden sind.“

Im Katalog sind neben den Produktfotos und Beschreibungen zahlreiche Gütesiegel (auch eigene) angeführt, welche die Glaubwürdigkeit unterstreichen und die, für jedes Produkt einzeln, beachteten sozialen und ökologischen Aspekte (bio, fairtrade, Schadstoffbelastung, Wasserverbrauch, Rückverfolgbarkeit, Öko-Tex 100 Standard, Sonnenschutz, SA8000 etc.) verdeutlichen, wie folgende Darstellung zeigt:

Die totale Transparenz gewährleistet Switcher unter anderem mit dem Code of Respect. 98 % der von Switcher hergestellten Artikel sind mit einem Rückverfolgbarkeitscode versehen, der in Form eines Etiketts am Textil angebracht ist. Die KundInnen können diesen Code auf www.respect-code.org eingeben und erhalten Informationen, bei welchen Unternehmen und unter welchen Arbeitsbedingungen das Produkt hergestellt wurde. Zusätzlich werden auch die CO2-Belastung und der Wasserverbrauch der gesamten Wertschöpfungskette angeführt.

Robin Cornelius spricht in Zusammenhang mit Switcher von einer Educational Brand. Das ist wohl auch der Grund, warum Switcher in der Vermarktung auf die emotionale Vermittlung des Gemeinnutzens fokussiert und weniger auf den Individualnutzen.

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Switcher: Familienfreundliche Preispolitik

Switcher verkauft Bekleidung für die ganze Familie. Da Familien zum größten Teil nur über ein begrenztes finanzielles Budget verfügen, möchte Switcher gute Qualität in Form von Einhaltung des Öko-Tex 100 Standards, gleichbleibenden Farben und guter Stoffqualität bieten. Durch die niedrig- bis leicht mittelpreisige Positionierung erzielt Switcher hohe Absatzmengen und damit ein Economy by Scale. Switcher spricht offen von einer Marge von durchschnittlich 5 %, je nach Distributionskanal. Die Rabatte im Ausverkauf sind mit Rabatten herkömmlicher Anbieter im niedrig- bis leicht mittleren Preisniveau vergleichbar.

Die Preise der Marke Whale machen ca. die Hälfte der Marke Switcher aus. Hier wird jedoch meist auf den Einsatz von Bio-Baumwolle verzichtet und über Economy by Scale versucht, die notwendigen Deckungsbeiträge zu erwirtschaften.