Veröffentlicht in Relevanz von Nachhaltigkeit im T&B-Sektor

Chemie- und Ressourceneinsatz im Anbau von Naturfasern

Menschen verwenden Baumwolle seit Jahrtausenden. Ende des 18. Jh. setzte sich Baumwolle als wichtiger Textil-Rohstoff durch (vgl. WWF 2005, S. 3). Der Anteil am Weltmarkt von Baumwolle beträgt ca. 38 %. 20 % der angebauten Baumwolle ist gentechnisch manipuliert und Bio-Baumwolle hat in etwa einen Anteil von 0,1 % (vgl. Baum 2009, S. 40). Umwelttechnisch bedenklich beim Anbau von Baumwolle ist vor allem der Chemieeinsatz in Form von Pestiziden (speziell von Insektiziden), Herbiziden und Entlaubungsmitteln sowie Kunstdünger, welche für die Herstellung ein großes Ausmaß an nicht-erneuerbaren Ressourcen benötigen (vgl. Hummel 2000, S. 147). 11 % aller Pestizide weltweit pro Jahr kommen im Baumwollanbau zum Einsatz (auf 2 % Nutzung der weltweiten Ackerflächen!) (vgl. WWF 2005, S. 1-2). Zudem machen Dünge- und Pflanzenschutzmittel mitunter bis zu 50 % der Produktionskosten für die Bauern aus (vgl. hessnatur 2010a). Pestizide führen nicht nur beim Hauptschädling der Baumwolle, dem Baumwollkapselwurm, zu Vergiftungen, sondern auch bei den Menschen, die beim Anbau in Kontakt mit den Giften geraten. Auf Grund der Breitbandwirkung töten Insektizide auch nützliche Tiere. Ferner gelangen die Gifte auch ins Grundwasser (vgl. Hummel 2000, S. 147). Hersteller von gentechnisch verändertem Saatgut, wie Monsanto, versprechen dem Einsatz von Chemie Abhilfe zu schaffen. Doch zeigen Beobachtungen, dass sich die Baumwollschädlinge zunehmend resistent gegen die gentechnisch modifizierte Baumwolle verhalten, was eine ständige Erhöhung der Pestizidmengen mit sich bringt. Gentechnisch verändertes Saatgut ist nicht nur teurer als herkömmliches, es kommen auch Lizenzgebühren hinzu, da das Saatgut aus der bestehenden Ernte nicht ohne Weiteres gewonnen und für die nächste Saat verwendet werden darf. Gentechnisch veränderte Baumwolle bedeutet aus diesen Gründen eine große Schuldenfalle für viele Bauern (vgl. WWF 2005, S. 1-2).

Exkurs Monsanto und GVO (gentechnisch veränderte Organismen) im Baumwoll-Anbau

Indien ist aktuell der drittgrößte Baumwollproduzent weltweit. 1999 kaufte Monsanto, Mahyco, den größten Saatguthersteller Indiens, auf. 2001 gab die indische Regierung ihre Bewilligung für den Anbau von Bt-Baumwolle (Bt steht für das Toxin aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis (Bt), welches in das herkömmliche Saatgut eingeschleust wurde), auch genannt Bollgard Baumwolle. Die gentechnisch veränderte Pflanze soll gegen den Baumwollkapselwurm resistent sein.

Seit Beginn des Anbaus von gentechnisch manipuliertem Baumwoll-Saatgut, beobachten zwei unabhängige Agrar-Forscher in Indien die Auswirkungen der Bollgard-Baumwolle, vor allem im Vergleich mit herkömmlicher Baumwolle. Jedes Jahr wird ein Bericht von Kiran Sakhari und Abdul Gayum veröffentlicht, in welchem die Produktionsaufwände und Erträge beider Saatgüter verglichen werden. 2006 befiel der Rhizoctonia Pilz die Bollgard Baumwolle. Die Bauern meinten, sie hätten so etwas noch nie gesehen. Die Forscher fanden Anfang 2000 nur wenige der Bollgard Baumwolle Proben mit diesem Pilz befallen – mit den Jahren breitete er sich immer mehr aus und befiel auch die herkömmliche Baumwolle. Die Forscher glauben an eine unerwünschte Interaktion zwischen der Wirtspflanze, in die das Gen eingebracht wurde und dem Gen, welches den Bt trägt. Dies hat die Pflanze anfällig für Rhizoctonia gemacht. Auf der Website von Monsanto ist veröffentlicht, dass Bt-Baumwolle den Pestizidaufwand um 78 % senken und dabei den Ertrag um 30 % steigern soll. Lt. Sakhari und Gayum ist das gelogen. Auch Bt-Baumwolle muss nach ca. 70 Tagen gegen den Baumwollkapselwurm mit Insektiziden besprüht werden. Trotz dieser Lügen, sind die Bauern in Indien geradezu gezwungen weiterhin Bollgard Baumwolle zu kaufen, auch Bauern, die mit natürlichem Saatgut arbeiten wollen, haben inzwischen kaum mehr eine Wahl. Herkömmliches Saatgut ist auf dem Markt rar geworden, es gibt hauptsächlich Bt-Hybridsaat zu kaufen. Da dieses Saatgut patentiert ist, ist jedes Jahr eine Lizenzgebühr zu bezahlen. Dass die Bauern das Saatgut nicht eigenmächtig, ohne zu Zahlen wiederverwenden, dafür sorgt eine Monsanto „Gen-Polizei“. D. h. Monsanto kontrolliert heute den gesamten Markt für Baumwoll-Saatgut in Indien und verlangt den vierfachen Preis des herkömmlichen Saatgutes. Bauern nehmen dafür Kredite mit hohen Zinsen auf. Fällt eine Ernte schlecht aus, dann bedeutet das: Konkurs – mehr noch – viele Bauern sind so verzweifelt, dass sie Selbstmord begehen, indem sie ihre eigenen Schädlingsbekämpfungsmittel trinken (Monsanto. Mit Gift und Genen 2010).

Beim Anbau von Baumwolle und generell bei der Herstellung von Naturfasern ist der Flächenbedarf zu berücksichtigen, da diese Flächen nicht für den Anbau von Nahrungsmitteln zur Verfügung stehen. Neben Baumwolle gibt es weitere bekannte Naturfasern wie Hanf, Leinen und tierische Naturfasern wie Schafwolle sowie Seide. Speziell bei tierischen Fasern gilt es auch den Pestizideinsatz bzw. den Chemieeinsatz zu beachten sowie die Haltung der Tiere und die Bewässerung des Weidelandes. Wasser spielt generell eine große Rolle in der textilen Wertschöpfungskette. Insbesondere in Form von Bewässerung (vor allem in wasserarmen Gebieten), des hohen Verbrauchs sowie der hohen Abwasserbelastung, bedingt durch die Produktion von Chemiefasern und unterschiedlichen Veredelungsvorgängen (auch von Naturfasern). Speziell bei der Veredelung stellen schwermetallhaltige Katalysatoren, Ausrüstungschemikalien und die Bildung von Neben- und Kuppelprodukten eine besondere Gefährdung der Umwelt dar. Ökologisch gesehen ist die Produktion von Chemiefasern wie Polyester, Polyamid, Polyacryl und Elasthan, aus nicht erneuerbaren Rohstoffen wie Erdöl, Erdgas und Kohle auf Grund der endlichen Reichweite der Rohstoffe problematisch. Chemiefasern haben inzwischen einen Anteil von ca. 60 % am Weltmarkt (vgl. Baum 2009, S. 12-47).

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